Graphic Novel

„Freedom Hospital“ von Hamid Sulaiman

Blicke auf die Katastrophe: Ein Untergrund-Krankenhaus steht im Mittelpunkt von Hamid Sulaimans Graphic Novel „Freedom Hospital“ 

Hamid Sulaiman/ Hanser Berlin

Im Internet kursiert seit etwa zwei Jahren der Comic „Syria’s Climate Conflict“ von Audrey Quinn und Jackie Roche. Ein kurzes, nur online erschienenes Werk. Auf den zwölf komplett kolorierten Seiten erklären die Autorinnen ebenso klug wie knapp, den Einfluss von Klimawandel und Dürre auf soziale Unruhen und die Protestbewegung gegen Assad, die schließlich zum Bürgerkrieg und der Massenflucht führten. Die grafische Einführung in ein derart komplexes Thema ist erhellend und im Nachhinein eindrücklicher, als viele Artikel und Fernsehreportagen zur Situation in Syrien, mit denen man tagtäglich konfrontiert wird.

Vielleicht ist es die besondere Art, wie unser Gehirn die Kombination von Bildern und Worten verwertet und zu sinnvollen Narrativen ordnet. Wie dem auch sei. Einen ähnlichen Effekt, auch weil wir uns geopolitisch im gleichen Territorium  befinden, erzeugt Hamid Sulaimans „Freedom Hospital“. Der 30-jährige Maler, Architekt und Illustrator floh bereits 2011 von Damaskus nach Paris. Dort schrieb und zeichnete er die Geschichte des „Freedom Hospital“, eines Untergrund-Krankenhauses, in dem verwundete Rebellen versorgt werden.
Diesen Ort des Leids aber auch der Heilung konzipiert er als erzählerischen Knotenpunkt. Hier begegnen sich die unterschiedlichsten Schicksale und Charaktere. Eine französische Journalisten will einen Dokumentarfilm drehen, ein alawitischer  Arzt arbeitet mit einem Kollegen, der mit den Muslimbrüdern sympathisiert, und eine sunnitische Köchin ist vor ihrer konservativen Familie geflohen, um ihren Beitrag im Freiheitskampf zu leisten.

Seine Handlungsstränge verwebt Sulaiman in expressiven, an Holzschnitte erinnernden Bildern. Er nutzt die harten Kontraste aus Schwarz und Weiß und verzichtet auf nuancierte Details zugunsten einer Ausdrucksstärke, die im zeitgenössischen Comic nur selten zu finden ist. Dabei konzentriert er sich auf persönliche Erfahrungen, die sich zu einem Schreckensbild der syrischen Katastrophe fügen, aber immer wieder auch von heiteren Momenten unterbrochen werden. Sulaimans Buch hilft zu begreifen.

Freedom Hospital von Hamid Sulaiman, Hanser Berlin, 288 S., 24 €

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