Bücher

Gespräch mit der Comicverlegerin Annette Köhn

Der kleine aber feine Jaja Verlag ist eine Herzensangelegenheit von Annette Köhn. Die Verlegerin begann 2011, ihren Traum zu verwirklichen und hat in den letzten Jahren ein wunderbar buntes, wildes und lustiges Programm herausgegeben. Charmante Comic-Strips, anspruchsvolle Graphic Novels, Bildergeschichten für Kinder und illustrierte Kochbücher mit veganen Rezepten gehören zum Sortiment. Aktuell sind Arbeiten von Künstlern, Autoren und Illustratoren aus dem Umfeld des Jaja Verlags in der Galerie Neurotitan zu sehen. Aus diesem Anlass haben wir mit Annette Köhn gesprochen.

Annette Köhn

tip Ist das nicht ein ziemlicher Wahnsinn, in den Zeiten der allgemeinen Printkrise einen Verlag, dazu noch einen Comicverlag zu gründen?
Annette Köhn Ja, das ist Wahnsinn, aber das kommt einfach daher, dass ich auch ein wenig (größen-)wahnsinnig bin.  Ich wollte mir einfach meinen Jugendtraum erfüllen, ganz tolle Bücher rausbringen und meine Lieblingszeichner zu Ruhm und Ehren bringen. Es gehörte aber auch zu meinem Traumerfüllungsprinzip, einfach anzufangen und loszulegen und mich nicht von den Gefahren & Schrecken der Buchbranche einschüchtern zu lassen. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich da gar nicht so viel drüber nachgedacht, als ich gründete. Warum gerade Comics? Ich mag das Medium sehr, es ist für so visuelle Menschen einfach vergnüglich, die Bilder zu lesen… und ich mag Geschichten. Der Schwerpunkt des Verlags liegt bei den Comics, aber ich wollte mich von Anfang nicht auf Comics beschränken. Darum heißt es im Untertitel des Verlags: „Fein illustrierte Machwerke“ und das sind dann auch Bildergeschichten für Kinder, illustrierte Literatur, Sachbücher.

tip Einen richtigen Schwerpunkt hat der Jaja Verlag also nicht?
Annette Köhn Es gibt dieses und jenes, in uneingeschränkter Vielfalt. Eine Gemeinsamkeit gibt es aber schon: Der Jaja Verlag veröffentlicht keine Mainstream-Ästhetik, mehr das Besondere, das in keine Schubladen steckbare und ganz oft einfach das, was mir gefällt.

tip Ist der Jaja Verlag reiner Idealismus oder auch ein Geschäftsmodell, oder so rum gefragt, lässt sich mit Comics in dieser Liga Geld verdienen?
Annette Köhn Der Idealismus bleibt dem Geschäftlichen immer haushoch überlegen. Das merke ich, wenn mal wieder Druckkosten mein Konto leer räumen oder das Vergnügen beim Bücher aus- und einpacken einfach nicht weniger wird mit der Zeit. Geschäftliches Kalkül macht sich auf jeden Fall bei der Wahl der Auflagenhöhe bemerkbar: Comics lasse ich meist in einer Auflagenhöhe von 300 bis maximal 700 Exemplare drucken. Verkauft werden sie sehr verschieden schnell. Er trägt sich damit irgendwie, der kleine Verlag.

tip Es gibt ja auch handfeste Erfolge zu verzeichnen. Wie wichtig ist für Sie etwa die Nominierung von Jennifer Daniels „Earth Unplugged“ für den Max und Moritz-Preis? Immerhin den bedeutendsten Preis der Comicbranche in diesem Land.
Annette Köhn Das ist sehr wichtig. Und „wichtig“ ist vielleicht auch genau das richtige sachliche Wort dafür. Vor allem haben wir, also die Autorin und ich, diese Nominierung sehr emotional aufgenommen und sind begeistert bis berauscht davon. Herr Raetsch von Comicreview traf es ganz gut mit der Anmerkung, das wäre für den Jaja Verlag nun wohl der „Ritterschlag“ für die Comicszene. Ja, das macht was her und ist mindestens ein Meilenschritt für meine Ambitionen, die Jaja-Autoren alle berühmt und irgendwann reich werden zu lassen.

Earth Unplugged

tip
Was steht als nächstes an? Können Sie uns jetzt schon interessante Veröffentlichungen für die nächsten Zeit verraten?
Annette Köhn Als allernächstes steht „Nachtschwärmer“ an. Kein Comic, sondern eine Serie mondlichtdurchfluteter Bilder der Japanerin Mikiko Fujita , die eine ganz einfache Geschichte erzählen, ganz ohne Text. Dass daraus ein Buch entsteht, davon träum ich, seitdem ich das erste Mal den Dummy in Händen hielt und mich quasi in die Bilder verliebte. Voll schön! Wir machen für das Buch wieder einmal ein Crowdfunding auf startnext, um die hohen Druckkosten vom Schwarm mitfinanzieren zu lassen. Bislang hat es auch schon viermal gut funktioniert, ein Buch auf diese Art vorab vorzustellen, es zu finanzieren und prompt unter die Leute zu bekommen, da die Unterstützer als Dankeschön das fertig gedruckte Buch bekommen können. Mehr dazu unter www.startnext.de/nachtschwaermer.

tip Und für Comicfans wird es doch hoffentlich auch etwas geben?

Annette Köhn Klar. Es soll in diesem Jahr auch noch einen zweiten Teil von „Das Land, das es nicht gibt“ von Peter Auge Lorenz, dem Betreiber der Comicbibliothek Renate, geben. Teil 1 war die Militärausgabe, bei Teil 2 wird sich um Arbeit oder Liebe oder Kunst drehen, auf jeden Fall wird der Comic wieder ein Stück Zeitgeschichte aus der DDR hervorholen und von den Erinnerungen des Comiczeichners erzählen.

Interview: Jacek Slaski

Fotos: Marga van den Meydenberg / Jennifer Daniel

Jaja Verlag Musenstube (Shop u. Galerie), ?Tellstraße 2, Neukölln, www.jajaverlag.com

Jaja-Ausstellung Galerie Neurotitan, Rosenthaler Straße 39, Mitte, ?Mo–Sa 12.00–20.00 Uhr, bis 19.07.

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