Bücher

„Goetz“ von Erik Heier

Erik Heier
Eine Nebenwirkung des Büchner-Preises für Rainald Goetz ist übrigens womöglich auch, dass ausgerechnet mit ihm, dem Jetzt-Schriftsteller, dem All-Gegenwärtigen, dem Wirklichkeitsvirtuosen, von nun an ein zweites Relikt der Vergangenheit auf ewig verbunden sein wird, wie ein weiterer Vorname: Büchner-Preisträger Rainald Goetz. Nach dem ersten Relikt, das in keiner der vielen nahezu flächen­deckend begeisterten Lobgleichmachereien der letzten Tage – die einen wie Goetz, der auch von der Wut auf die Dinge, wie sie eben sind, lebt, ja eigentlich zuwider sein müssten, wenn sie ihn nicht still belustigen – fehlt. Nämlich wie der junge Rainald Goetz dereinst der Bachmannpreis-Jury die Stirn bot, Die wunde Stirn. Wenngleich Konsens herrscht, dass Rainald Goetz diesen Büchner-Preis schon lange verdient hat: In einem Jahr, in dem der Henri-Nannen-Preis aus Spargründen nicht vergeben wird, fragt man sich unwillkürlich, wie es wäre, wenn man Goetz statt des wichtigsten deutschen Literatur- den wichtigsten deutschen Journalismus-Preis geben würde. Ihm, dem Wirklichkeitsverarbeiter, der doch immer unterwegs ist, Grelles von Grundsätzlichem zu scheiden und Situationen in Erkenntnisse zu verwandeln.  Nannen-Preisträger Goetz! Damit so, ein kühner Gedanke, „Journalist“ vielleicht mal nicht das wäre, was es in vielen Köpfen, warum auch immer, derzeit eben ist: ein Schimpf-, ein Schmäh-, ein Hasswort.

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