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Große Ausnahmen: Jobs, Gould, Zatopek

Zбtopek von Jaromir99

Steve Jobs hat Apple gegründet und mit seinen Erfindungen die Welt verändert. Der Kanadier Glenn Gould gilt als einer der bedeutendsten Pianisten des ?20. Jahrhunderts und der tschechoslowakische Langstreckenläufer Emil Zбtopek war ein legendärer Athlet.
Gemeinsam haben diese drei Männer nicht viel, außer dass sie Ausnahmeerscheinungen auf ihren Gebieten waren, Berühmtheit erlangten und ihnen derzeit Würdigung mittels einer gezeichneten Biografie zuteil wird. Nicht nur in Spiel- und Dokumentarfilmen oder klassisch in Buchform, bilden Lebensläufe interessanter Persönlichkeiten eine Quelle der Inspiration, auch Grafiker finden hier ihren Stoff.
Die Französin Sandrine Revel  etwa hat sich mit "Leben Off-Beat" das musikalische Wunderkind Gould vorgenommen und einen wunderbaren, leicht nostalgisch angehauchten, in gedeckten Farben gehaltene Band gestaltet. Sie macht die Biografie des exzentrischen Perfektionisten sinnlich erfahrbar, zeigt aber auch auf, wie beschwerlich die Bürde der Genialität sein kann.
Weniger gelungen ist hingegen der Abriss zum Apple-Guru Jobs von Jessie Hartland. Schon der Untertitel "Das wahnsinnig geniale Leben des iPhone-Erfinders"  lässt wenig Gutes erhoffen. Und tatsächlich, in dem Taschenbuch versammeln sich kaum miteinander verbundene Cartoons, die so unbedarft, schlampig  und unbeholfen ­daherkommen, dass der radikale Ästhet und Design-Fetischist, hätte man ihm die Entwürfe vorgelegt, einer Veröffentlichung  wohl nicht zugestimmt hätte. Zwar führt die New Yorkerin gewissenhaft durch ­einige Kapitel aus der Geschichte  des Unternehmens, der Produkte und des Gründers, dennoch dürfte sie mit den Strichbildchen höchstens die Alt-Hippies unter den hartgesottenen Apple-Fans erfreuen.
Ganz anders dann wieder die Graphic Novel zum Leben von Emil Zбtopek, der in den 1940er- und 50er-Jahren auf Langstrecken vier mal olympisches Gold holte und Rekorde und Weltmeistertitel sammelte. Der tschechische Zeichner Jaromir99, der schon mit seinem (auch verfilmten) Achtungserfolg "Alois Nebel", der Geschichte eines introvertierten Bahnvorstehers, in die bedrückende Zeit des Kalten Krieges ­führte, eröffnet auch diesmal den Blick auf die historische und politische Dimension, die auf der Karriere des großen Sportlers lastete.
Comic-Biografien mögen sich nicht immer lohnen, aber oft. Und wem das hier nicht reicht, sollte sich die englische Ausgabe von Ted Ralls Comic-Bio "Snowden" besorgen, die deutsche Veröffentlichung verschiebt sich leider auf unbestimmte Zeit.

Text:
Jacek Slaski

Foto: Jaromir99/ Voland & Quist

Steve Jobs von Jessie Hartland, ?Fischer, 238 S., 16,99 Euro

Glenn Gould
von Sandrine Revel, Knesebeck, 136 S., 24,95 Euro

Zбtopek von Jaromir99, ?Voland & Quist, 204 S., 24,90 Euro

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