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Hans Magnus Enzensberger: „Album“ und „Meine Lieblingsflops“

EnzensbergerWas für ein Durcheinander. Eine Erinnerung an die Anfänge der RAF neben Nonsens-Versen, wild durcheinandergewürfelte Zitate von Jean Paul („Niemand hat weniger Ehrgefühl als eine Regierung“) bis zu Andy Warhol und Churchill („Wer möchte schon gerne neunzig werden? Jeder, der neunundachtzig ist“), daneben das Cocktail-Rezept für einen guten Mojito, Kinderreime, Hinweise zur Berufsberatung, ein kleiner Essay über Goethe, eine „Betrachtung über das Nichts“, ein Bilderrätsel, Anmerkungen zur Quantenphysik, Anekdoten aus dem preußischen Militäradel, das Faksimile eines chinesischen Gedichts im Original und eine „Meditation über alles, was weiß ist.“

Und das alles bunt gedruckt, chaotisch mit allen möglichen Vignetten, Zeichnungen, alten Bildern und Fotos geschmückt, gesetzt in den unterschiedlichsten Schrifttypen. Ein Buch, bei dem einem schwindelig werden kann, ein Gedankenlabyrinth, eine Wundertüte.

Hans Magnus Enzensberger hat seinen Zettelkasten ausgeleert und der geniale Buchgestalter Franz Greno, offenbar ein mindestens genauso verspielter, wenig ordnungsliebender Mensch wie Enzensberger, hat daraus ein Buch wie eine bewusstseinserweiternde Droge gemacht. Dieses weiße „Album“ ist, ganz nebenbei, auch ein Streifzug durch die intellektuelle Biografie des stets neugierigen – auf den unterschiedlichsten Gebieten, von der Mathematik bis zur Russischen Revolution oder den Schriften Diderots bewanderten – mittlerweile 81-jährigen Autors.

Gleichzeitig mit dem weißen Album erscheint, ganz in Schwarz, ein Buch mit Enzensbergers „Lieblingsflops“. Heiter und spöttisch berichtet er darin von gescheiterten Zeitschriftengründungen, geplatzten Filmprojekten und in die Hose gegangenen Opernplänen. Zu seinen Flops pflegt Enzensberger ein ausgesprochen liebevolles Verhältnis: „Ich für meinen Teil gestehe, dass ich wenigen Erfahrungen so viel verdanke wie meinen Flops; ich behaupte sogar, dass sie mir im Lauf der Zeit immer mehr ans Herz gewachsen sind.“ Selber schuld, wer sich das Lektürevergnügen seiner Bücher entgehen lässt.

Text: Peter Laudenbauch

Foto: Jürgen Bauer

tip-Bewertung: Beide lesenswert

Hans Magnus Enzensberger: „Album“ Suhrkamp, 336 Seiten, 39,90?Ђ

Ders.: „Meine Lieblingsflops“ Suhrkamp, 241 Seiten, 19,90?Ђ

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