Kommentar

„Harry“ von Lutz Göllner

Einmal im Jahr nehme ich mir „Die grüne Wolke“ von Alexander S. Neill aus dem Schrank und lese das Kapitel, in dem die Kinder sich Roboter bauen

Lutz Göllner

Und es funktioniert jedes Mal (seit 45 Jahren!): Ich muss lachen, bis mir die Tränen kommen. Neills Kinderbuch war 1971 der erste Roman, den der vor zwei Jahren verstorbene Harry Rowohlt ins Deutsche übersetzte. Mit ihm begann die Karriere des großen Übersetzers, Sprachkünstlers und Vorlesers. An die 170 Bücher hat Rowohlt übersetzt.
Doch um ihn wirklich zu goutieren, musste man eine seiner Marathonlesungen erleben. Vier bis sechs Stunden las, plauderte und soff sich Rowohlt da durch seine literarische Welt, bestehend aus Ardagh, Vonnegut, Bruen, Sedaris und O‘Brien. Dazu kamen eigene Bücher und Kolumnen, wie „Ich, Kater Robinson“ (das einzige Kinderbuch, in dem Nutten auftauchen) und Pooh’s Corner (jahrelang der einzige Grund, sich „Die Zeit“ zu kaufen). Und dann die abschweifenden Anekdoten aus seinem Leben …
Rowohlts Eckermann, der „taz“-Autor Ralf Sotschek, hat diese literarischen Plaudereien jetzt so veröffentlicht, wie sie eigentlich gedacht waren: auf vier CDs, zum Hören („Harry Rowohlt erzählt sein Leben von der Wiege bis zur Biege“, Edition Tiamat, Berlin 2017). Da kann man noch einmal diese Brummstimme erleben, ein letztes Mal grummelt und lacht es aus dem Grab heraus. Mit dem letzten Kapitel von „Pu der Bär“ könne man ihn immer zum Heulen bringen, „damit kann man mich buchen“, so Rowohlt. Mich auch!

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