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HipHop Family Tree

HipHop Family Tree

Pioniergeschichten haben es Ed Piskor angetan. Nach seiner Graphic Novel „Wizzywig – Das Porträt eines notorischen Hackers“, die kürzlich auf Deutsch bei Egmont erschienen ist und in der der 32-jährige US-Zeichner den Fokus auf die erste Generation der Computerhacker-Szene in den 70er-Jahren lenkt, widmet er sich jetzt den auf die gleiche Ära zurückgehenden Anfängen des HipHop. Bevor das Genre weltweite Anerkennung bekam, ein millionenschweres Geschäft wurde und die Popmusik nachhaltig prägte, erfanden die meist bitterarmen Akteure den Stil quasi aus Mangel an Instrumenten und brachten ihn auf die Straße, wo sie die ersten Tracks in der Nachbarschaft ausprobierten. Mit einer an krude Superheldenstrips erinnernden Retro-Ästhetik erzählt Piskor in dem durchweg farbigen Comicband „HipHop Family Tree“ von den ersten Schritten der DJs, Rapper, B-Boys und Sprüher aus der South Bronx, jenem New Yorker Bezirk, der seit jeher als Keimzelle der Bewegung gilt. ?Kool DJ Herc feiert dort seine Block Partys, Kurtis Blow feilt an geschmeidigen Reimen, Afrika Bambaataa und Grandmaster Flash experimentieren mit groovigen Beats und Russell Simmons legt die Grundsteine für sein späteres Def-Jam-Imperium. ?Historische Fakten und abseitige Anekdoten, ?coole Typen und emanzipierte Powerfrauen, schmierige Geschäftemacher und von den neuen Sounds schwarzer Kids angetörnte weiße Kids verknüpft Piskor zu einem ?rasanten Abriss einer aufbegehrenden Kultur, die zu den wichtigsten Pop-Phänomenen des ?20. Jahrhunderts gehört.

Text: Jacek Slaski

Foto: Metrolit/ Ed Piskor

tip-Bewertung: lesenswert

„HipHop Family Tree“ von Ed Piskor, Metrolit, 120 Seiten, 22,99 Euro

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