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10. Internationales Literaturfestival in Berlin 2010

Literaturfestival 2010In diesem Jahr feiert das Internationale Literaturfestival Berlin (ilb) sein zehnjähriges Jubiläum. Festivalleiter Ulrich Schreiber ist stolz auf das Erreichte: „Im internationalen Maßstab ist das ilb eines der renommiertesten Literaturfestivals. Das höre ich immer wieder von Autoren – und sehe es an der Medienresonanz im Ausland.“
Nachdem der Fokus 2008 auf Afrika und 2009 auf der Arabischen Welt lag, steht in diesem Jahr Osteuropa im Zentrum. „Wir wissen seit den 90er-Jahren, dass großartige Autoren aus Ungarn, Russland, Polen und so weiter kommen. Allein Ungarn mit Kertйsz, Nбdas und Esterhбzy! Und welches Genre kann uns besser erzählen, was heute dort los ist, als die Literatur?“ sagt Schreiber. Fragt man danach, welche Themen die osteuropäischen Autoren beschäftigen, so landet man sehr schnell in der Zeit von 1945 bis 1989. Die Diktatur bestimmte das Schreiben und Leben vieler Schriftsteller, sie wurden verfolgt, landeten im Gefängnis und hatten mit Schreibverboten zu kämpfen. Einer der Höhepunkte des ilb ist sicherlich die Lesung von Biljana Srbljanovi. Die serbische Schriftstellerin machte 1999 mit ihrem Belgrader Kriegstagebuch international auf sich aufmerksam und sorgte als Nichte Radovan Karadћis für etliche Kontroversen. Natürlich ist auch Iwan Bunin nicht vergessen. Dem 1953 verstorbenen russischen Autor wird in einer Lesung gedacht. Er hatte 1993 als erster Russe den Literaturnobelpreis erhalten. Wer beim Schwerpunkt Osteuropa keinesfalls fehlen darf, ist Publikumsliebling Wladimir Kaminer.Neben den osteuropäischen Autoren sind auch in diesem Jahr wieder eine ganze Reihe Schriftsteller aus der ganzen Welt zu Gast. Der spanische Autor und Publizist Juan Goytisolo eröffnet das Festival. Danach lässt der irische Kultkrimiautor Ken Bruen seinen alkohol- und prügelerprobten Privatdetektiv Jack Taylor zur Hölle fahren. Der in Schweden lebende deutsche Jugendbuchautor Peter Pohl ist wohl einer  der prominentesten Vertreter in der Sparte Kinder- und Jugendliteratur in diesem Jahr. Er liest aus seinem neuen Buch „Anton, ich mag dich“.

Und beinahe hätte es zum Jubiläum für eine ganz große Überraschung gereicht: Der portugiesische Literaturnobelpreisträger Josй Saramago hatte im März sein Kommen angekündigt. Doch drei Monate später verstarb er im Alter von 87 Jahren. Die Fan-Gemeinde muss sich deshalb mit einer „Hommage an Saramago“ begnügen.
Das Internationale Literaturfestival Berlin besticht aber nicht nur durch seine besondere Auswahl an Autoren, sondern auch durch die Vielfältigkeit des Programms: Neben den Lesungen gibt es Diskussionen und Vorträge zu aktuellen politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Fragen. In der Sparte „Literatur auf Celluloid“ werden Filme gezeigt. Im Mittelpunkt steht hier die Wechselwirkung zwischen den beiden Medien Buch und Film.


Text: Andreas Burkhardt
Foto: F. Plucinski


ILB ?
Eröffnung Mi 15.9., 19 Uhr, ?Haus der Kulturen der Welt, ?bis Sa 25.9., Programm unter www.literaturfestival.com


Die Top 5

1?. Ken Bruen
lässt Jack Taylor ?zur Hölle fahren
15.9., 20 Uhr, Babylon Mitte

2. Alberto Manguel
über die Flucht aus ?dem falschen Leben
17.9., 20.oo Uhr, Instituto Cervantes

3. Aharon Appelfeld (hat leider abgesagt)
über Christen und? Juden in der Bukowina, ?21.9., 19.30 Uhr Haus der Kulturen der Welt

4. Dietmar Dath (hat leider abgesagt)
macht den Kapitalismus?zum skurrilen Märchen,
16.09., 20.00 Uhr, Kino Babylon Mitte

5. Biljana Srbljanovic
über das Trauma des ?Krieges und den ?Überlebenskampf in der ?heutigen Gesellschaft,
22.9., 21.15 Uhr, Schaubühne am ?Lehniner Platz

 

weitere Highlights:


21.9.
Authors for Peace – Weltrekordversuch 0 – 24 Uhr im Haus der Kulturen der Welt

22.9.
Leanne Shapton, 19 Uhr im Kino Babylon
Olga Tokarczuk aus Polen, 20.30 Uhr im Haus der Kulturen der Welt 

23.9.
Preisverleihung des Georg Dehio-Buchpreises 2010, 19 Uhr im Haus der Kulturen der Welt
Sprit und Spirit: Über den Rausch, 21 Uhr im Kino Babylon

24.9.
Was nun? – Die Zukunft der polnisch-russischen Beziehungen mit Viktor Jerofejew und Anrezej Stasiuk, 20.30 Uhr im HKW
Jochen Schmidt, 21 Uhr Haus der Kulturen der Welt
Eva Menasse liest im Haus der Kulturen der Welt


25.9.
Juri Andruchowytsch, 16.30 Uhr im HKW
Berlin – Drehscheibe zwischen Ost und West, 20 Uhr im Haus der Kulturen der Welt
Jennifer Egan liest im Collegium Hungaricum

Foto: Stefan Olah/www.olah.at

 

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