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Internationales Literaturfestival Berlin: 12 Tipps fürs 21. ilb

Das Internationale Literaturfestival Berlin, kurz „ilb“, findet vom 8. bis zum 18. September statt. Neben ausgewählten Livestream-Veranstaltungen, Rahmenprogramm in der ganzen Stadt und Lesungen auf großen Bühnen ist das Hauptquartier in diesem Jahr das Silent Green: Das ehemalige Krematorium im Wedding ist ohnehin als Kulturstandort bekannt, bis 18. September wird es mit Lesungen und Diskursveranstaltungen bespielt. Rund 130 Autorinnen und Autoren nehmen am vielfältigen und vielsprachigen Programm teil. 12 Tipps fürs Internationale Literaturfestival Berlin geben wir euch hier.


Berlin liest

Schauplatz des Internationalen Literaturfestivals Berlin: das Silent Green Kulturquartier. Im Vorfeld findet „Berlin liest“ allerdings an vielen Orten in der Stadt statt. Foto: Imago/Imagebroker

Bevor das Internationale Literaturfestival Berlin am 8. September offiziell eröffnet wird, gibt es Literatur-Events als Vorgeschmack und Auftakt. Schon am 5. September waren alle dazu aufgerufen, in einer weltweiten Lesung an die Opfer der Corona-Pandemie zu erinnern: privat, in der Schule, in einem Theater, im Radio. Weiter geht’s mit dem seit 2012 etablierten Format „Berlin liest“ am 8. September. Das ilb hat 20 Bücher für die Lesungen vorgeschlagen – diese bieten bereits einen guten Überblick über die Highlighs des Festivals. Welche Lesung wo angemeldet ist, erfahrt ihr auf der ilb-Website.

  • Berlin liest Mi 8.9., 8-22 Uhr, weitere Infos und angemeldete Lesungen hier

Internationales Literatufestival Berlin: Eröffnung mit Leïla Slimani

Leïla Slimani eröffnet das ilb in diesem Jahr mit einer Rede unter dem Titel "Call for Crime". Foto: Catherine Hélie
Leïla Slimani eröffnet das ilb in diesem Jahr mit einer Rede unter dem Titel „Call for Crime“. Foto: Catherine Hélie

Eröffnet wird das Internationale Literaturfestival Berlin mit einer Rede der gefeierten französisch-marokkanischen Autorin Leïla Slimani. In ihrer Rede unte dem Titel „Call for Crime“ setzt sie sich mit ihrer Position als Frau und Schriftstellerin auseinander, im Anschluss liest sie aus ihrem Roman „Das Land der Anderen“. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) spricht ein Grußwort. Musik am Auftakt-Abend kommt von Masha Qrella: Sie spielt Songs aus ihrem von Thomas Brasch inspirierten Album „Woanders“.

  • Silent Green Betonhalle Gerichtstr. 35, Wedding, Mi 8.9., 18 Uhr, Eintritt 18/12 €, auch via Livestream

Female Empowerment

Die Schriftstellerin Priya Basil ist beim Internationalen Literaturfestival Berlin zu Gast. Foto: Imago/Ipon
Die Schriftstellerin Priya Basil ist beim Internationalen Literaturfestival Berlin zu Gast. Foto: Imago/Ipon

„Words of Love and Hate: Frauenhass vs. Female Empowerment“ heißt ein großes Special des diesjährigen ilb. Eine wichtige Fragestellung der Veranstaltungen ist, inwieweit sich Misogynie von Sexismus unterscheidet. Darüber hinaus wird das Augenmerk auf zunehmende Gewalt gegen Frauen bis hin zum Femizid gelegt, auch Care-Arbeit und Stigmatisierung kinderloser Frauen kommt zur Sprache. Im Special finden insgesamt zehn Literatur- und Diskussionsevents statt. Das erste am 10. September beleuchtet „Die Logik der Misogynie“, darüber sprechen Priya Basil, Maaza Mengiste und Jagoda Marinić.

  • Silent Green Kuppelhalle Gerichtstraße 35, Wedding, Fr 10.9., 18 Uhr, weitere Programmpunkte hier

Erinnerung, sprich: Thomas Braschs Werk

Masha Qrella hat Texte von Thomas Brasch vertont. Foto: Diana Naecke

Im Fokus des ilb steht mit der Reihe „Erinnerung, sprich“ das Schaffen von Toni Morrison, Susan Taubes, Adam Zagajewski und Thomas Brasch. Dessen Werk beschränkte sich längst nicht nur auf Romane und Gedichte, der Berliner war auch als Regisseur aktiv. Mit verschiedenen Veranstaltungen wird an den 2001 verstorbenen Künstler erinnert, auf dem Progamm stehen szenische Lesungen sowie Filmvorführungen und eine Fotoausstellung: „Aus meinen Augenfenstern“, fotografiert von Roger Melis, ist täglich von 18 bis 22 Uhr geöffnet.

Auch lohnenswert: die 2011 auf der Berlinale uraufgeführte Doku „Brasch, das Wünschen und das Fürchten“. Im Anschluss sprechen Christoph Rüter, Joachim von Vietinghoff und Hanns Zischler über den Autor als Filmemacher, Moderation: Knut Elstermann. Weitere Filme von Brasch selbst sind ebenfalls im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals zu sehen. Und am 18. September, am letzten Tag des ilb, spielt Masha Qrella (Foto) noch einmal Lieder von ihrem Album mit Brasch-Gedichten.

  • Brasch, das Wünschen und das Fürchten fsk Kino, Segitzdamm 2, Kreuzberg, So 12.9., 18.30 Uhr, Tickets kosten 10, erm. 6 €

Jenny Erpenbeck

Wird als zukünftige Literatur-Nobelpreisträgerin gehandelt: Jenny Erpenbeck. Foto: Jenny Erpenbeck/Renate von Mangold

In ihren preisgekrönten Büchern durchdringt Jenny Erpenbeck meisterlich die (ost-)deutsche Geschichte. Der „New Yorker“ überschrieb kürzlich ein langes, lobendes Porträt über sie mit „Jenny Erpenbeck is keeping time“. Ihre Bücher wurden in 30 Sprachen übersetzt, und unter anderem die „Washington Post“ orakelt, sie könnte irgendwann den Literatur-Nobelpreis gewinnen. Gerade ist ihr neue Roman „Kairos“ erschienen, die Buchpremiere erfolgt im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin im Babylon-Kino.

  • Babylon Rosa-Luxemburg-Straße 30, Mitte, Do 16.9., 20 Uhr, Tickets kosten 10, erm. 6 €

C Pam Zhang

Das sensationelle Debüt „Wie viel von diesen Hügeln ist Gold“ von C Pam Zhang, US-Amerikanerin und Tochter chinesischer Einwanderer:innen, ist „eine epische Gegenerzählung zum altbekannten Narrativ des ,Wilden Westens‘“ (Deutschlandfunk Kultur). Sie liest am 13. September aus dem Roman, dessen deutschsprachige Übersetzung 2021 bei S. Fischer erschienen ist.

  • Silent Green Betonhalle, Gerichtstraße 35, Wedding, Mo 13.9., 21 Uhr, Tickets kosten 10, erm. 6 €

11. Graphic Novel Day

"Dragman" ist eines unserer Highlights am Graphic Novel Day des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Bild: Steven Appleby/Schaltzeit Verlag
„Dragman“ ist eines unserer Highlights am Graphic Novel Day des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Bild: Steven Appleby/Schaltzeit Verlag

Es ist eine schöne Tradition beim Internationalen Literaturfestival Berlin: Ein Tag steht ganz im Zeichen von Graphic Novels. Acht Comic-Künstler:innen präsentieren ihre Werke, darunter auch der Brite Steven Appleby am 12.9., 18 Uhr, der mit „Dragman“ beim Internationalen Comicfestival in Angoulême den Jury-Sonderpreis gewann.

  • Silent Green, Kuppelhalle Sa 11.9. ab 15 Uhr, So 12.9. ab 14 Uhr

Christian Kracht in der Philharmonie

Christian Kracht bei der Leipziger Buchmesse 2012. Auf dem Internationalen Literaturfestival liest er aus seinem aktuellen Roman "Eurotrash". Foto: Imago/Star-Media
Christian Kracht bei der Leipziger Buchmesse 2012. Auf dem Internationalen Literaturfestival liest er aus seinem aktuellen Roman „Eurotrash“. Foto: Imago/Star-Media

Mit Christian Krachts Roman „Faserland“ ging 1995 eine lange literarische Tradition zu Ende: An die Stelle des romantischen Taugenichts und seines Nachfolgers, des Dandys, trat der Schnösel, und siehe da, der junge Mann, der den Besitz einer Barbourjacke mit einer Charaktereigenschaft verwechselbar machte, wurde sogar zu einem Idol. Kracht selbst verabschiedete sich bald in ferne Länder und ließ im Unklaren, wie sehr er sich selbst mit dem Schnösel identifizierte. Ein Vierteljahrhundert später löst er mit seinem neuen Roman „Eurotrash“ das Rätsel so, dass er es in ein anderes aufhebt: Ist das nun frühe Altersweisheit, was den Erzähler beschleicht? Er hat mit dem „richtigen“ Kracht, jedenfalls mit den Lexikoneinträgen über ihn eine Menge gemeinsam.

Aber der Ton, den Kracht in „Eurotrash“ auf einer skurrilen Reise mit der 80 Jahre alten Mutter durch die Schweiz nach „Afrika“ trifft, ist der eines Abschieds: die Popliteratur ist Geschichte. Kracht schreibt nun auf Nabokov zu. Seine Lesung auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin findet nicht im Silent Green statt, sondern im Kammermusiksaal der Philharmonie.

  • Kammermusiksaal der Philharmonie Herbert-von-Karajan-Straße 1, Tiergarten, Do 9.9., 20.30 Uhr, Tickets kosten 18, erm. 12 €

Helga Schubert

Bachmannpreisträgerin Helga Schubert tritt beim Internationalen Literaturfestival auf. Foto: Imago/Eberhard Thonfeld

Zum Festival gehört auch das Format „ilb Digital“, bei dem ausgewählte Events im Livestream übertragen werden. Darunter ist auch Helga Schubert, die den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt im vergangenen Jahr eine Überraschung bescherte: Schubert gewann den Wettbewerb, sie ist die älteste Bachmann-Preisträgerin. Schon 1980 war sie eingeladen, erhielt aber keine Genehmigung zur Ausreise aus der DDR. Auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin präsentiert sie ihre preisgekrönten Prosa-Miniaturen „Aufstehen“.

  • Silent Green Kulturquartier Digitalprogramm, Mi 15.9., 18 Uhr

Louise Erdrich

„The Night Watchman“, in deutscher Übersetzung „Der Nachtwächter“, so heißt der preisgekrönte aktuelle Roman de US-Autorin Louise Erdrich. Sie erzählt darin die Geschichte ihres Großvaters, dessen Protest gegen die Enteigung von native Americans ihn bis nach Washington geführt hat. Das Buch trug Erdrich den Pulitzer-Preis 2021 im Bereich Fiction ein, das ilb überträgt die Lesung im Digitalprogramm.

  • Silent Green Kulturquartier Digitalprogramm, Fr 17.9., 18 Uhr

Decolonizing Worlds: Raub – Beute – Kunst

Viele verschiedene Veranstaltungen schneiden den Themenkomplex Kolonialismus an, zu den spannendsten dürfte die Diskussion unter dem Titel „Decolonizing Worlds: Raub – Beute – Kunst“ sein. Die Debatte über den Umgang mit erbeuteter Kunst in westlichen Sammlungen wird seit Jahren gestritten, natürlich auch im Rahmen kuratorischer Praxis. Über den Umgang mit solcher Kunst sprechen auf dem Internationalen Literaturfestival die Kunsthistorikerin und Autorin Bénédicte Savoy, der Historiker und Autor Götz Aly sowie Nana Oforiatta Ayim, Schriftstellerin und Kuratorin des ghanaischen Pavillons der Biennale von Venedig 2019.

  • Silent Green Gerichtstraße 35, Wedding, Di 14.9., 18 Uhr

Internationales Literaturfestival Berlin: „The Art of Writing“

Ijoma Mangold spricht auf dem ilb über das Schreiben. Foto: Christian Werner
Ijoma Mangold spricht auf dem ilb über das Schreiben. Foto: Christian Werner

Gespräche über das Schreiben selbst gehören seit Langem zum Festivalprogramm, und auch dieses Jahr sprechen Autor:innen wieder über die Entstehungsgeschichte ihrer Bücher. Unter anderem dabei: Ijoma Mangold, der 2018 mit „Das deutsche Krokodil“ erstmals selbst als Buchautor in Erscheinung getreten ist, sowie Jackie Thomae („Brüder“), Hilmar Klute, Judith Hermann und viele weitere.

  • Silent Green Gerichtstraße 35, Wedding
  • Jackie Thomae Sa 11.9., 19.30 Uhr
  • Judith Hermann Di 14.9., 20 Uhr (im Kammermusiksaal, Philharmonie, Herbert-von-Karajan-Straße 1, Tiergarten)
  • Ijoma Mangold Mi 15.9., 19.30 Uhr
  • Hilmar Klute Do 16.9., 19.30 Uhr

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