• Kultur
  • Bücher
  • Jan Costin Wagner: „Das Licht in einem dunklen Haus“

Bücher

Jan Costin Wagner: „Das Licht in einem dunklen Haus“

Das Licht in einem dunklen HausKimmo Joentaa ist allein. Larissa, seine Geliebte, die als Prostituierte arbeitet, hat ihn verlassen, ist gegangen wie sie gekommen ist, von einem Tag auf den andern, ohne ein Wort. Der Verlust stürzt den jungen Kriminalisten in eine Krise. Gefühle werden wach, die ihn an seine Frau erinnern, die unerwartet rasch vom Krebs dahingerafft wurde. Auf den Fall, der seine Kollegen im finnischen Turku vor ein Rätsel stellt, kann er sich zunächst kaum konzentrieren: Wer bringt eine Frau um, die ohnehin bald sterben wird? Der Mörder, der ins Krankenhaus eingedrungen ist, um die unbekannte Komapatientin ins Jenseits zu befördern, hat Tränen auf dem Bettlaken hinterlassen. Die Jagd nach dem weinenden Täter bleibt zunächst ebenso ergebnislos wie die nach der Identität des Opfers. Weitere Menschen sterben, werden in aller Öffentlichkeit umgebracht. Bald wird klar, dass es zwischen den Fällen eine Verbindung gibt. Eines Tages erhält Kimmo, der nicht aufhört, seiner Geliebten Mails zu schicken, in denen er von sich und seiner Arbeit berichtet, eine Antwort: „Eure Tote, das hat mit männlicher Gewalt zu tun“.

Jan Costin Wagners neuer Kriminalroman „Das Licht in einem dunklen Haus“ ist wie sein 2010 verfilmter Erfolgsroman „Das Schweigen“ eine gut konstruierte, atmosphärisch dichte Geschichte über die Folgen eines Verbrechens, das Jahre zurückliegt. Im Sommer 1985 wurde eine junge Frau mehrfach vergewaltigt. Nun scheint jemand für die brutale Tat Rache zu nehmen. Das Ermittlerteam um Kimmo Joentaa stößt nicht nur auf die Spur des Mörders, sondern auch auf seelische Wunden, Sprachlosigkeit und verdrängte Schuld. Auf sensible Weise kreist die Geschichte um die zerstörerische sexuelle Macht des Mannes.

Nicht immer gelingt es Jan Costin Wagner, die Ermüdung abzuwenden, die sich bei Thrillern einstellt, in denen der Leser oft mehr weiß als die Ermittler und längst bekannte Informationen unter den Protagonisten mehrfach kommuniziert werden müssen. Dennoch ist „Das Licht in einem dunklen Haus“ ein überzeugender Kriminalroman, der sein Spannungspotential vor allem aus dem Gespür für den Augenblick bezieht, der das Leben von Menschen erschüttert, ihre Existenz plötzlich fragil und fragwürdig erscheinen lässt.

Text: Ralf Gerstenberg

Foto: Michael Werner Nickel/pixelio.de

tip-Bewertung: Lesenswert

Jan Costin Wagner „Das Licht in einem dunklen Haus“ Galiani, 352 Seiten, 19,99 Ђ

Mehr über Cookies erfahren