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Jan Peter Bremer: „Der amerikanische Investor“

investorEigentlich müsste man den Erzähler bemitleiden und trösten wollen. Eine Schreibblockade zwingt den Berliner Schriftsteller, untätig im Bett zu liegen. Seine ganze Fantasie fließt in verrückte, zwanghafte Gedanken. Sie drehen sich um die Angst, dass seine Wohnung, in der er mit Frau und Kindern lebt, unter ihnen zusammenbrechen könnte. Zu allem Unglück haben diese Sorgen eine reale Basis. Seit ein amerikanischer Investor das Haus gekauft hat und erste Sanierungsarbeiten begonnen haben, senken sich die Böden ab.

Ständig misst der verzweifelte Autor die Risse in den Wänden und formuliert in Gedanken einen Brief an den Investor, den er nur aus einem Zeitungsinterview kennt. Dabei wird er von seinen Schreibhemmungen gefoltert und grübelt weiter. Die Hausverwaltung will, dass die Familie auszieht. Mit seiner Frau gibt es ständig Streit. Nicht einmal der Hund scheint ihn noch zu mögen. Der neueste Roman des Ingeborg-Bachmann-Preisträgers von 1996 ist wie seine vorherigen Werke (u.a. „Der Fürst spricht“) kurz und reich an grotesken Alltagsbeschreibungen. Starke autobiografische Bezüge sind unübersehbar. Wie der Protagonist lebt Bremer mit Frau, Sohn und Tochter in Berlin. Das Buch hat er „Meiner Straße“ gewidmet, die in Kreuzberg liegt, bekanntlich ein von Investoren heimgesuchtes Viertel.

Fast dokumentarisch und sehr ironisch beschreibt der 1965 in Charlottenburg geborene Autor die Mechanismen einer Schreibblockade und die damit verbundene Existenzangst. Der Blick auf die leere Seite, wachsende Unruhe, Ideen, die ins Nichts führen, Erschöpfung, wieder aufkeimende Ruhelosigkeit. Für Komik sorgen maßlose Übertreibungen in den verschlungenen Fantasien des Erzählers. Allerdings fällt es schwer, den Antihelden zu mögen. Man will ihm in den Hintern treten, anstatt mit ihm zu leiden. Manche Leser könnten seine Nöte daher schnell ermüdend finden. Fans von Bremers Sprache werden die inneren Monologe lieben. Nicht umsonst wurde der handwerklich hervorragend gemachte Roman auch für seinen Witz mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet.

Text: Maike Grunwald

tip-Bewertung: Lesenswert

Jan Peter Bremer: „Der amerikanische Investor“ Berlin Verlag, 120 Seiten, 16,90?Ђ; Buchpremiere im Literarischen Salon Britta Gansebohm BKA-Theater, Mehringdamm 34, Kreuzberg, Do 18.8., 20 Uhr

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