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Jubiläumsfest der Literaturwerkstatt Berlin

literaturwerkstatt1. In 20 Jahren fanden in der Literaturwerkstatt rund 3?000 Einzelveranstaltungen statt. Nimmt man die einzelnen Lesungen der diversen Festivals (Weltklang, Open Mike, Poesiefestival, Zebra-Poesiefilmfestival) hinzu, sind es noch deutlich mehr.

2. Die ersten zehn Jahre residierte die Werkstatt in der einstigen Villa des ersten DDR-Ministerpräsidenten, Otto Grotewohl, am Pankower Majakowskiring (Foto). Bürgerrechtler hatten sie im Oktober 1990 besetzt.

3. Literatur gab es in dem Haus schon vorher – aber nur für geladene Gäste. Vorheriger Nutzer, seit 1980, war der DDR-Schriftstellerverband. Der bekam die Villa als eine Art staatliche Dankesgeste für den Ausschluss von neun Literaten, darunter Adolf Endler, die gegen die Biermann-Ausbürgerung protestiert hatten.

4. Bei der allerersten Veranstaltung am 13. September 1991 sollte Hans Mayer auftreten. Zwei Tage vorher kam sein Anruf: Er meldete sich krank. Christa Wolf, Volker Braun und Fritz Rudolf Fries sprangen ein. Sie lasen dann Mayers Texte.

5. Erstes Festival: die Tage irischer Literatur. Im November 1991 reisten dazu Autoren aus dem britischen Nordirland und der irischen Republik an (u.a. Hugo Hamilton, Joseph O’Connor). Beim Thema Teilung kannte sich auch das ost- und westdeutsche Publikum bestens aus. Das gab dann interessante Gespräche.

6. Anfang der 90er-Jahre war die Anzahl der Fürsprecher, die den Fokus auf Lyrik für eine gute Idee hielten, sehr überschaubar. Aber zur ersten „Sommernacht der Lyrik“ kamen 500 Leute. Seit 2000 heißt das Ganze: Poesiefestival Berlin. Besucher pro Jahr: mehr als 10?000. Die Werkstatt wurde kürzlich übrigens Gründungsmitglied der „World Movement of Poetry Festivals“ im kolumbianischen Medellin.

7. Orte, die nach der Reprivatisierung des Pankower Grundstücks im Gespräch waren: das Podewil in Mitte – und ein Plattenbau an der Prenzlauer Promenade kurz vor dem Autobahnzubringer Pankow von der DDR-Akademie der Wissenschaften. Anfang 2004 zog man in die heutigen Räume in der Kulturbrauerei.

8. Größtes Literaturfestival, nicht nur für die Literaturwerkstatt, sondern weltweit: der Literaturexpress Europa 2000. Mehr als 100 internationale Literaten, die im Zug durch 43 Länder fuhren. 19 Stationen in elf Ländern, eine Million Besucher.

9. Die Idee für den Open Mike, den wichtigsten deutschen Literaturnachwuchswettbewerb, kam Werkstatt-Chef Thomas Wohlfahrt 1992 nach einer USA-Reise. Seine Inspiration: die Spoken-Word-Bühnen. 1993 startete der Open Mike, heute mit jährlich 700 Einsendungen. Erst in der sechsten Auflage gewann erstmals tatsächlich ein Poetry-Slammer nach amerikanischem Vorbild: Boris Preckwitz.

10. Interessanter Rollenwechsel beim Jubiläumsfest „Dichter dran“ am 17. September: Die Besucher sollen sich selbst als Lyriker versuchen und werden dabei von Literaten gecoacht. Betreutes Dichten, sozusagen.

Text: Erik Heier

Foto: gezett.de

Dichter dran: Das große Lyrikfest zum 20. Geburtstag der Literaturwerkstatt Berlin u.?a. mit der Weltpremiere des Berlin-Gedichts, Beschwerdechor, Lyrikcamp, diversen Bands, Abendkonzert (Fanfara Kalashnikov mit Johanna Zeul und FiL);
Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, Sa 17.9., ab 14 Uhr

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