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Keiner läuft vor Geld davon

Frankie Machine – Wer so heißt, kann nicht einfach nur Angelverkäufer sein.
Don Winslows Roman über einen Mafiakiller im Ruhestand.

 
Frank Macchianno ist genervt von den zwei klugscheißenden jungen Killern,
die ihm ihre Philosophie erklären. Ihr Mord-Motto: „Rein geschäftlich. Ist
nichts Persönliches.“ Erhielte Frank für dieses Blabla jedes Mal zehn Cent,
wäre er jetzt wohl reich. Denn Frank ist nicht nur kalifornischer
Angelladenbesitzer, sondern er ist Frankie Machine, verdeckter Mafiakiller
im Ruhestand. Und er hasst das „Nichts-Persönliches“-Zitat, weil es jeder
Grünschnabel seit „Der Pate“ in sein Repertoire aufgenommen hat.
 
„Frankie Machine“ demontiert die Klischees, die wir von der Mafia, und auch
all die Klischees, die wir von Mobsterfrauen kennen („Mach mir nicht die
Diane-Keaton-Nummer!“). Don Winslow erzählt von einem alternden Zyniker, der
an seinen Gebrechen verzweifelt, aber auf der Flucht vor seinen Killern ein
letztes Mal beweisen wird, dass Old School einfach unschlagbar ist. Und der
so stakkatohaft seine Weisheiten raus- und die anderen kleinhaut, dass man
sich dabei bildhaft vorstellen kann, dass nur er selbst sich gefährlich
werden dürfte. Das Wer-ihn-jagt-und-warum ist daher wesentlich
uninteressanter als die Art, mit der Frankie seine Häscher (allein die
Namen! Big MacManus!) jedes Mal überlistet, und wie er sich ärgert, dass er
wegen falscher Mahlzeiten aus der Puste gerät („Jill hatte recht mit dem
roten Fleisch“).  
 
Autor Winslow, dessen Vita ihn immerhin als Privatdetektiv ausweist,
verbindet kleine Weisheiten über Mordmethoden (signiere nie deine Arbeit:
benutze eine fremde Waffe) mit Jungenträumen, in denen Abhängen mit dem Mob
so ist, als würde man für immer in der Schule abhängen: Man redet über
Mädchen und Schwänze. Die Ernüchterung erfolgt daher weniger während
Frankies Arbeit bei der Mafia als durch die Geschehnisse Ende der Sechziger,
Anfang der Siebziger in der Politik: Nixon und Watergate, Verbrechen des
Staates. Winslow verwebt Frankies Aufstieg mit der Zeit großer Mafia-Mäzene,
die Senatoren nach Belieben schmieren konnten, und bezieht Ex-Präsident
Nixon gleich mit ein. Die eigentlichen organisierten Verbrecher sitzen in
der Regierung. Frankie ist ein Krimineller. Aber ein falsches Spiel, das
spielt er nicht.


 
Don Winslow, „Frankie Machine“, Suhrkamp, 364 Seiten, 8,95 Euro.

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