Bücher

Ken Bruen: „Jack Taylor auf dem Kreuzweg“

jackJack Taylor könnte wie ein Konstrukt aus abgegriffenen Krimi-Klischees wirken. Er säuft, arbeitet seit seinem Polizei-Rausschmiss als Privatermittler, hat immer einen passenden Spruch auf den Lippen, verbirgt hinter der ungehobelten Fassade ein heiß und heftig schlagendes Herz. Ein einsamer Wolf im irischen Regen, der mit dem hochgeschlagenen Kragen seines Polizeiallwettermantels durch die Straßen von Galway schlurft und die von Schlägereien demolierte rechte Hand in den Taschen vergräbt. Doch dem 1951 geborenen, ebenfalls in Galway ansässigen Kultautor Ken Bruen gelingt es, der guten alten Hardboiled-Tradition neues Leben einzuhauchen. Sein Ermittler ist kein lahmer Pegelsäufer, sondern ein Mann mit einem massiven Alkoholproblem, den es schon morgens in die Pubs zieht, auch wenn er den Jameson und das Guinness aus lebenserhaltenden Gründen unangerührt lässt, wie bei seinem sechsten Fall „Jack Taylor auf dem Kreuzweg“. Taylors Denken kreist stets um des Teufels hochprozentiges Elixier. Und so steht die Frage im Raum, ob der Detektiv im Laufe der Handlung seine Abstinenz durchhält. Diesmal hat er es mit einem gekreuzigten Jungen zu tun, dessen Schwester wenig später in ihrem Kleinwagen explodiert. Außerdem werden Hunde vermisst.

Der von Taylor engagierte Hilfsdetektiv, ein vom Tremor geschüttelter Ex-Polizist, treibt kurz darauf mit einer um den Bauch geschnallten Töle im Fluss. Ein dreijähriges Kind, an dessen Tod Taylor schuldig ist, geistert durch seine schweißnassen Nächte. Und Ziehsohn Cody liegt nach einer Schießerei im Koma. Auch dafür wird Taylor verantwortlich gemacht. Denen, die er liebt, scheint Jack Taylor Unglück und Schmerz zu bringen. Wäre es da nicht besser, Galway zu verlassen, die triste irische Trübsal gegen ein neues Leben im sonnigen Florida einzutauschen? Die Chance scheint sich durch einen Wohnungsverkauf zu eröffnen. Doch der belesenste Detektiv der Krimigeschichte ist außerhalb von Galway ebenso wenig vorstellbar wie ein Jack-Taylor-Krimi, der nicht mit üblicher Kompetenz von Harry Rowohlt übersetzt wurde. Wer also den unentwegt fluchenden, Beichtstühle meidenden und von Priestern beschimpften Ermittler auf seinem ganz persönlichen Kreuzweg erleben will, sollte unbedingt dieses Buch lesen. Scheißenochmal.

Text: Ralph Gerstenberg

tip-Bewertung: Lesenswert

Ken Bruen: „Jack Taylor auf dem Kreuzweg“ Deutsch von Harry Rowohlt, Atrium 250 Seiten, 16,50 Ђ

Mehr über Cookies erfahren