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Klaus Zapf: Eine Biografie erinnert an den legendären Umzugsunternehmer

Klaus E. H. Zapf (1952-2014), der bärtige Kauz hinter dem berühmten Umzugsunternehmen, starb 2014. Er war als Mensch wie als Unternehmer ein widersprüchliches Unikat: Millionär und Linker, solidarisch und cholerisch, Hedonist und Arbeitstier. Nun ist ein Buch über sein Leben erschienen. Es versammelt Stimmen seiner einstigen Weggefährten und erzählt eine kurzweilige West-Berliner Aufstiegsgeschichte.

Klaus Zapf, Gründer und Geschäftsführer Zapf Umzüge, 2005. Foto: Imago/Christian Thiel
Klaus Zapf, Gründer und Geschäftsführer Zapf Umzüge, 2005. Foto: Imago/Christian Thiel

Halb Weihnachtsmann, halb Karl Marx – so in etwa sollte man sich Klaus Zapf auch vorstellen

„Alles, was Dir gehört, dem gehörst Du auch!“, so lautet der Untertitel des ansonsten schlicht mit dem Namen des Helden betitelten Buches: „Klaus E. H. Zapf“. Vom im Umzugskartonbraun gehaltenen Cover blickt ein grauhaariger Mann mit langem Bart und dicker Brille leicht skeptisch. Halb Weihnachtsmann, halb Karl Marx – so in etwa sollte man sich Klaus Zapf auch vorstellen.

Seine Geschichte beginnt im Nachkriegsdeutschland. Unweit von Heilbronn wird der kleine Klaus geboren. Die Eltern kommen von Bauernhöfen, wollen aber mehr: Der Vater wird Polizist und strebt eine Karriere an. Bildung ist der Familie, die noch in ärmlichen Verhältnissen lebt, wichtig. Die Kinder – Klaus hat drei Schwestern – sollen Abitur machen. Doch die Schule ist nichts für den großgewachsenen Jungen mit der markanten Brille. Lieber singt er Protestsongs, klampft auf der Gitarre und hängt in einschlägigen Kneipen herum, in denen der Geist der 68er und süßer Haschischduft in der Luft liegen.

Die Provinz wird ihm schnell zu klein. 1973 steigt er mit zwei Freunden in einen VW-Käfer – natürlich als Beifahrer, denn einen Führerschein macht Klaus Zapf, der zum größten Umzugsunternehmer des Landes werden soll, nie. Ihr Ziel ist West-Berlin. So beginnt auch das Buch, erschienen im firmeneigenen Verlag. Die Transitgeschichte aus Baden-Württemberg in die Mauerstadt ist symptomatisch für jene Zeit. Linke, Andersdenkende, Wehrdienstverweigerer und Künstlertypen zieht es nach West-Berlin, wo man nicht in die Bundeswehr eingezogen werden kann und es keine Sperrstunde gibt.

Zapf strandet im Wedding, zieht nach Neukölln in den Hinterhof, schenkt Bier in einer Kreuzberger Kneipe aus. Dann beginnt er mit den Umzügen. Mit ausgeliehenen LKWs transportiert er Möbel, räumt Keller aus, schleppt Klaviere – das wird anfangs sein Markenzeichen. Klaviertransporte und der Zusatzservice Klavierstimmen. Klaus ist rührig, setzt schon früh auf Marketing, schaltet Anzeigen im tip und in der Zitty, hält in Kneipen Hof, knüpft Kontakte, kennt schon bald die halbe Stadt – und die Firma gedeiht.

Eigene Transportwagen werden angeschafft, Lagerraum angemietet, die Belegschaft wächst, die Umsätze gleich mit. Nur mit dem Gewinn läuft es nicht immer ganz so, wie es sollte. Doch Klaus Zapf beißt sich durch, unterstützt nebenbei die alternative Szene, verleiht seine Autos an linke Projekte, spendet Geld, teilt die Firma auf die Belegschaft auf – Letzteres funktioniert nicht. Ohnehin ist er zum Chef geboren. Bärbeißig und cholerisch, aber mit großem Herz und Verständnis für alles Menschliche, führt er die Firma zum Erfolg. Die gelben LKWs gehören schon bald zum Stadtbild, Anzeigen für Zapf Umzüge mit dem berühmten Logo – eine Weltkugel aufgesetzt auf einer Radachse – erscheinen auf den Umschlagseiten des Berliner Telefonbuchs. Das war mal was!

Mit Anekdoten aus dem Diener, der Künstlerkneipe am Savignyplatz und Zapfs Stammlokal, historischen Passagen, stadtpolitischen Einschüben, privatem Glück und Unglück, betrieblichen Querelen und unternehmerischen Einschätzungen zeichnen die Autoren Tillmann Schrader und Lothar Uebel ein gelungenes Porträt des alten Chefs, der 2014 verstarb, dessen Erbe aber immer noch zum Alltag vieler Berlinerinnen und Berliner gehört. Wer ist nicht schon einmal mit Zapf umgezogen oder hat mindestens die legendären Umzugskartons benutzt, die man lange in der Kreuzberger Köpenicker Straße kaufen (und zurückgeben – das war ein Novum!) konnte? Zapf Umzüge feierten kürzlich ihr 50. Jubiläum. Zu diesem Anlass schenkten sie sich die Biografie des Gründervaters. Es ist ein schönes Geschenk geworden.

  • Klaus E. H. Zapf – Alles, was Dir gehört, dem gehörst Du auch! Hardcover-Halbleinen in Fadenheftung, 200 Seiten, mit vielen Bildern, 19,90 €, zu beziehen über Zapf Umzüge hier

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