Bücher

„Lau oder laut“ von Erik Heier

Noch gar nicht lange her, da haben sie in den Feuilletons alle geklagt. Über die Schriftsteller von heute: so viele Ich-bezogene Lauwarmduscher. Kaum noch politischer Furor. Große Themen der Zeit klein wegeschwurbelt. Literatur für die Nachttischleuchte neben dem Doppelbett. Da wächst kein Grass mehr. Sicher, man kann darüber streiten, ob Schriftsteller unbedingt die Welt deuten müssen. Oder man diesen Job nicht lieber Leuten überlässt, die davon wenigstens auch Ahnung haben. Wirtschaftswissenschaftlern, Diplomingenieuren, Rakenwissenschaftlern, Philosophen. Wobei „Philosophen“ ein weiter Begriff ist, wie man an Peter Sloterdijk sieht, der gerade seine geistigen Obergrenzen ausgetestet hat („Die deutsche Regierung hat sich in einem Akt des Souveränitätsverzichts der Überrollung preisgegeben…“, sagte er dem „Cicero“) und dabei die Vokabel „Lügenäther“ einführte, auf die Frauke Petry von der AfD sicher ganz neidisch ist. Jedenfalls war selten so viel Debattenrummel unter hiesigen Literaten wie derzeit. Entweder, weil sie Bücher schreiben, die in die Zeit passen, wie Abbas Khider mit dem Flüchtlingsroman „Ohrfeige“ (tip 03 und S. 96). Oder wenn sie den Furor zurückbringen. Wie Feridun Zaimoglu, der nach den Kölner Übergriffen sagte, dass „wir Moslems … den eigenen Saustall aufräumen“ müssen. Selbst wenn sie wie Sloterdijk rechts irrlichtern oder wie Reinhard Jirgl ein paar Verschwörungsthesen über die USA einwerfen. Viele Dinge, über die man streiten kann, streiten muss. Aber besser laut als lau.

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