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„Literaturasyl“ von Erik Heier

Erik Heier
Warum hat der Sozialsenator Mario Czaja eigentlich nicht Günter Grass gefragt? In Czajas neuem Beirat für den Zusammenhalt sollen altgediente Politiker die „Willkommenskultur“ für Flüchtlinge verbessern. Da be-?steht ja gerade hier und da ein bisschen Nachholbedarf. Im Bei-?rat sitzt zum Beispiel der frühere Bürgermeister Eberhard Diepgen.? Von dem guten Mann ist selbst aus seiner Amtszeit keine wirklich brauchbare Idee erinnerlich. Günter Grass dagegen sprüht auch in seinem 88. Lebensjahr nur so vor Einfällen. Jetzt kann sich der Literaturnobelpreisträger zum Beispiel vorstellen, die dringend notwendige Unterbringung von Flüchtlingen durch Zwangseinquartierungen zu regeln. Immerhin hätte diese „Option“, wie Grass gerade beim 90. Geburtstag der Schriftstellervereinigung PEN in Hamburg kundtat, nach dem Krieg bei 14 Millionen Deutschen auch prima funktioniert. Und jetzt geht es gerade mal um 200?000 Menschen. Grass’ Idee ist natürlich ganz großartig, aber oder gerade deshalb noch ausbaufähig. Wa­rum sollte man nicht auch Literaturhäuser für Flüchtlinge öffnen? In Grass’ altem Haus in Wewelsfleth zum Beispiel, das er dem Land Berlin geschenkt hat, stehen drei Wohnungen mit dem Alfred-Döblin-Stipendium ver­-?sehenen Berliner Literaten offen. Währenddessen müssen jetzt Flüchtlinge in Container ziehen. Es wäre in doch in Grass’ Sinne, wenn Schriftsteller sich im Con­-?tainer einrichten würden und Flüchtlinge im Döblin-Haus. Auf so eine Idee würde Eberhard Diepgen jedenfalls nie kommen.

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