Kommentar

„Lottmann“ von Erik Heier

Neulich verschlug es mich auf eines dieser Lesungsereignisse, wie sie in Joachim-Lottmann-Büchern stehen

Erik Heier

Oberhalb eines Edelrestaurants oberhalb meiner Budgetgrenze. Dieser Eindruck wurde dadurch verstärkt, dass Lottmann selbst zugegen war. Er wohnt, soweit ich weiß, schon seit einer Weile mit seiner Frau in Wien, aber die Verbindungen nach Berlin scheinen immer noch erschwinglich zu sein. Der Popliterat der Herzen verhackstückt  solche Ereignisse gern bis zur Unkenntlichkeit in seinen Romanen. Das ist meist sehr unterhaltsam, muss man natürlich mögen. In seinem neuen Buch „Alles Lüge“ beschreibt er zum Beispiel eine Buchpremiere von Ronja von Rönne, die wenig bis gar nichts mit diesem Abend im Mein Haus am See zu tun hatte. Das weiß ich, weil ich auch da war, zufällig. Lottmanns Alter Ego Johannes Lohmer gerät in der Flüchtlingskrise aus der Balance, weil er einerseits den Islamismus als „Zweiten Faschismus“ fürchtet und Linke und Grüne auch nicht mag, andererseits aber nicht mit seiner linksliberalen Frau schlafen darf, wenn er ihr das ins Gesicht sagt. Ich weiß nicht, ob Lottmann alles ernst meint, was er da Lohmer andichtet. Aber auf einer Pegida-Wanderung, dort sind sie ja gemeinhin nicht so ironiebegabt, würde man ihn dafür auf Händen nach Hause tragen. Selbst wenn er von Dresden nach Wien wollte. Zunächst steht aber die Berliner Buchpremiere an, am 30. März in der Berghain-Kantine. Das wird  sicher ein großes gesellschaftliches Ereignis! Mehr davon dann im nächsten Lottmann-Roman.

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