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Louis Begley: „Schmidts Einsicht“

about schmidtNein. Der kleine Ndugu ist diesmal nicht mit dabei. Jenes afrikanische Patenkind, in das der pensionierte Anwalt Schmidt nach dem Tod von Ehefrau Mary seine Liebe und sein Geld investiert. Unvergessen die wunderbaren Briefe, die Jack Nicholson in der gleichnamigen Verfilmung von Louis Begleys Roman „About Schmidt“ schreibt („Lieber Ndugu …“). Sonst aber ist alles beim Alten. Immer noch sucht der mittlerweile 78-Jährige (!) seinen Sinn des Lebens in den Betten jüngerer Frauen. Immer noch liegt die Beziehung zu Tochter Charlotte im Argen. Wenn er ihr auch die Einladungen zum Essen nicht mehr wie früher durch seine Sekretärin zukommen lässt.

Mit „Schmidts Einsicht“ beendet der 78-jährige Louis Begley seine Schmidt-Trilogie. Ein würdiger Abschluss. Vereint der Roman doch sowohl Motive aus den beiden Vorgängern als auch aus anderen Romanen des 1933 im polnischen Stryj geborenen Ludwig Begleiter, der sich nach der Emigration in die USA 1947 Louis Begley nannte. Wenn auch seine Ironie spröder daherkommt, sein Tonfall bei Weitem nicht so gelassen ist wie der von John Updike, mit dem Begley in Harvard studierte.

Nur Anwalt in eigenen Angelegenheiten zu sein ist Schmidts Sache nicht. Als Direktor einer wohltätigen Stiftung vertreibt er sich die Zeit. Bis er hört, ein Kollege sei in Paris verstorben, in dessen Frau Alice er sich früher schon verguckt hat. Die alten Lebensgeister erwachen. Ein Balztanz um die 63-Jährige beginnt. Schonungslos erzählt Begley von Analsex und feuchten Hosen. Das Gefühl von Leichenschändung will trotz des „reiferen“ Alters seiner Protagonisten nie aufkommen. Langsam lernt Kontrollfreak Schmidt das Loslassen.

Louis Begley hat einen großen Altersroman hingelegt. Ein typisch amerikanisches Buch, das unterhält, weil es eine Geschichte erzählt. Es spielt mit autobiografischen Motiven und ist psychologisch fein motiviert. Gerne folgt man diesem Schmidt blind in jede Sackgasse. Der sachliche Ton, den Christa Krüger gut ins Deutsche übertragen hat, unterstreicht die kühle Art des wohlsituierten Anwalts. Mal sehen, wie lange Schmidt durchhält und die Einsicht des Loslassens wirklich beherzigt.

Text: Welf Grombacher

Foto: Warner Bros.

tip-Bewertung: Lesenswert

Louis Begley: „Schmidts Einsicht“ Aus dem Amerikanischen von Christa Krüger, Suhrkamp, 415 Seiten, 22,90 Ђ

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