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Manga in Berlin: Shops, Events und lokale Comics für Fans

Es ist nicht verwunderlich, dass Manga in Berlin beliebt sind. Die Hauptstadt ist so anfällig für Popkultur wie das Ruhrgebiet für Bergbauromantik. Bis die japanischen Comics in Deutschland ankamen, dauerte es allerdings. Vermutet wird ihr Ursprung im achten Jahrhundert, wo buddhistische Mönche auf Bilderrollen Fabeln zeichneten. Damals nutzten sie aber noch nicht den Begriff „Manga“. Katsushika Hokusai, ein Holzschnittkünstler, soll ihn erstmals 1814 für eine Reihe von Skizzen genutzt haben. Im frühen 20. Jahrhundert erschienen dann die ersten „richtigen“ Geschichten mit stringenter Handlung über mehrere Seiten, genretypisch in schwarzweiß.

Manga in Berlin: Gerade für Neueinsteiger:innen gibt es viele Geschichten zu lesen. Foto: Imago/Hans Lucas

Lange Zeit dienten sie als Propagandainstrument für den japanischen Staat. Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs schwappten Manga in den Westen. Heute sind sie ein vielseitiges Kulturgut, das eine Vielzahl Menschen anspricht, ob nun faltig, zart, sensibel, hart, verbittert, lustig. Wir stellen euch wichtige Adressen, Berliner Autor:innen und Festivitäten für Manga vor und erklären, wie ihr einen Zugang bekommen könnt.


Manga-Shops in Berlin

Wo gezeichnet wird, fallen Comics – und Mangas. Einige von ihnen landen darauf in Buchhandlungen und Manga-Shops, von denen wir in Berlin einige haben. Letztere sind vor allem aufgrund ihres deutlich größeren Sortiments für Fans wie auch Neueinsteiger:innen perfekt geeignet. Fragen treffen dort häufiger auf Antworten als in einer x-beliebigen Thalia-Filiale, in denen alles abseits von Fitzek und Precht als exotisches Kuriosum gilt.

J-Store

Zu vielen Manga gibt es auch Actionfiguren, auch Berlins Manga-Shops bieten sie an. Foto: Imago/Hans Lucas

Manga ist Teil japanischer, ach, mittlerweile weltweiter Popkultur. Im J-Store findet ihr eine gewaltige Auswahl mal mehr, mal weniger bekannter Werke. Alle Genres werden abgedeckt, und es gibt auch internationale Titel. Erwähnt sei die große Auswahl an K-Pop-Alben und -Postern, direkt aus Korea. Fan-Nippes könnt ihr dort ebenso aufstöbern, etwa Figuren, Tassen, Mousepads und auch japanische Süßigkeiten. Eine Spielwiese für Liebhaber:innen.

  • J-Store Kantstraße 125, Charlottenburg, Mo-Sa 12-19 Uhr, weitere Infos hier

Neo Tokyo: Comics aus Japan in Berlin kaufen

Neo Tokyo verkauft Comics aus Japan in Berlin. Den Namen hat der Laden vom Erfolgs-Anime "Akira". Foto: Imago/Everett Collection
Neo Tokyo verkauft Comics aus Japan in Berlin. Den Namen hat der Laden vom Erfolgs-Anime „Akira“. Foto: Imago/Everett Collection

Wo wir beim Thema Popkultur sind: Neo Tokyo, ebenfalls ein Comicladen, ist nach der Stadt aus dem Kultmanga „Akira“ bekannt. Der 1988 erschienene Anime dazu hatte hierzulande das Fundament für japanische Zeichentrickkunst gesetzt und ist auch heute noch immer beeindruckend. Passend zum Thema gibt es auch hier viele Mangas. Außerdem findet ihr bei Neo Tokyo eine große Auswahl an Animes, K-Pop-Alben (na ja, halbpassend), Fanartikel und quietschbunten Süßigkeiten. Alles auch im Onlineshop bestellbar.

  • Neo Tokyo Schönhauser Allee 188, Prenzlauer Berg, Mo-Fr 11-19, Sa 11-16 Uhr, weitere Infos hier

Otaku Store

Kennen wahrscheinlich alle: Dragonball. Foto: Imago/Newscast

Eigentlich ist die Bezeichnung „Otaku“ außerhalb Japans etwas eingewestlicht. Während es sich vom japanischen Wort für Haus ableitet und Menschen beschreibt, die ihrer Leidenschaft so sehr fröhnen, dass sie nicht mehr das ihre verlassen, bezeichnen sich hierzulande generell Mangafans als Otaku. Nicht immer, aber häufig genug. Die Namenwahl des Otaku Store ist deshalb irgendwie gutschlecht. Geht es aber um die Auswahl, ist der Shop sehr gut. Viele aktuelle Bestseller sowie Geheimtipps, Personal, das sich mit der Materie beschäftigt und entsprechend den ein oder anderen Tipp parat hat.

  • Otaku Store Residenzstraße 107, Reinickendorf, Mo-Fr 12-18 Uhr, Tel. 030/43 20 71 61, weitere Infos hier

AnimeFanShop Lagerverkauf

Der normalerweise als Online-Shop konzipierte Fanshop für Manga, Anime, Merchandise und japanisch-koreanische Snacks öffnet mindestens einmal im Monat an einem Samstag seine Lagerhalle in Ahrensfelde. Zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise in den Dezemberwochen, können es auch mal drei oder vier Termine im Monat sein. Üblicherweise sind Einkäufe direkt aus dem Lager um 5% reduziert und ab einem gewissen Einkaufswert erhält man ein kleines Geschenk dazu. Zu kaufen gibt es unter anderem hochwertige Sammelfiguren, Plüschtiere, Manga, Snacks und Süßigkeiten, sowie Schreibwaren und Geschirr.

  • AnimeFanShop – Lager Amboßweg 2, Ahrensfelde, weitere Infos hier

Wer in Berlin Manga zeichnet

Die meisten in Deutschland veröffentlichten Manga kommen noch immer aus dem Mutterland. Ändern wird sich das vermutlich nicht. Trotzdem kann etwa Berlin mit ein paar Künstler:innen auffahren, die sich erfolgreich in dem Genre durchsetzen konnten, teils ihren Lebensunterhalt damit verdienen.

Robert Stumpf

Robert Stumpf illustriert das Leben Berlins in einem einzigartigen Stil. Foto: Robert Stumpf

2006 zog der Künstler Robert Stumpf nach Berlin. Er hatte eine Idee, eine wenn auch fürs Medium heute etwas unkonventionelle. In seinen Geschichten thematisiert er stets Berlin, wobei er sich an zeitgenössischen Stars sowie traditionellen japanischen Holzschnitten orientiert, die in der Historie eine Zwischenstufe zu den heutigen Comics darstellten. Es sind keine epochalen Erzählungen, keine großen Heldenreisen, die Stumpf abbildet. Vielmehr sind es Miniaturen, kleine Fragmente, die zusammengesetzt das Leben in der Hauptstadt in einem herrlichen Mosaik zeigen.

  • Die Werke von Robert Stumpf findet ihr unter anderem hier

Inga Steinmetz

Inga Steinmetz ist bereits seit Jahren aktive Manga-Zeichnerin. Foto: Inga Steinmetz

Sie ist gebürtige Berlinerin, zeichnete wahrscheinlich schon tausende Mangaseiten und fördert in Workshops den künstlerischen Nachwuchs. Bekannt sind vor allem ihre emotionalen „Schneeballen“-Geschichten über das Leben einer Berliner Comiczeichnerin, frei nach dem Motto: „Schreibe über Dinge, die du kennst“. Schlimm ist das nicht, die Comics sind durchaus lesenswert. Inga Steinmetz ist nicht nur eine begnadete Zeichnerin mit einzigartigem Stil, sondern auch Erzählerin.

  • Die Werke von Inga Steinmetz findet ihr hier

Manga- und Anime-Veranstaltungen in und um Berlin

Sind die ersten Grundkenntnisse da, könnt ihr euch sogleich bei einer der größeren Berliner Veranstaltungen mit Manga- oder Anime-Schwerpunkt austoben. Selbiges gilt für alteingesessene Fans. Und falls ihr euch Sorgen bezüglich einer Kostümpflicht macht: die gibt es nicht. Cosplay kann trotzdem ganz nett sein.

Manga & Entertainment Expo (MEX)

Die MEX war bereits 2021 Anlaufstelle für Manga- und Animefans. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Zwei Big Player im Manga- und Anime-Veranstaltungssegment schlossen sich 2019 zusammen, um die Manga & Entertainment Expo zu starten: der MMC-Berlin, Organisator der Mega Manga Convention, und das Team AniMaCo, Organisator der Anime und Manga Convention. Ihre alten Projekte fusionierten also zu einem großen. Die Koexistenz zweier thematisch ähnlicher Veranstaltungen war zwar lange möglich, muss aber nicht zwangsläufig sein. Das Ergebnis ist ein deutlich größeres Fest für Manga- und Animefans in Berlin.

  • Manga & Entertainment Expo (MEX) Messegelände Berliner Expocenter City, Masurenallee 22, 21.-23.10, Karten (ab 39 €) und weitere Infos findet ihr hierd

Anime Messe Babelsberg

Impressionen der Anime Messe Babelsberg 2020. Im vergangenen Jahr fiel die Veranstaltung leider aus, aber 2022 geht es wieder rund.

Nicht unbedingt in Berlin, aber nahe genug: die Anime Messe Babelsberg. Es gibt Workshops für Nachwuchskünstler:innen, Shows und natürliche jede Menge Akteur:innen, praktisch die Menschen hinter den Geschichten. Was nicht fehlen darf, sind die Cosplay-Wettbewerbe. Ohnehin gehört zu so einer Messe eine passende Verkleidung dazu. Casual-Outfits sind dennoch erlaubt. Kostüme mögen nun mal nicht alle.

  • Anime Messe Babelsberg Großbeerenstraße 200, Potsdam, 15.-17.7, weitere Infos und Tickets findet ihr hier

Cosplay-Treffen mit JAMBerlin

Japan, Anime, Manga, kurz Jam steht für japanische Comic- und Zeichentrickkunst. Jugendliche und junge Erwachsene werden von der Community unterstützt, ob sie nun zeichnen oder sich verkleiden. Das Onlineportal ist ein Szenetreff, ein Ort zum regen Austausch. Zusätzlich gibt es reale Treffen, die sich für Neueinsteiger:innen und Veteran:innen der japanischen Popkultur gleichermaßen lohnen.

  • JAMBerlin weitere Infos zu anstehenden Treffen findet ihr hier

KAZÈ Anime Night

KAZÉ ist das größte deutschsprachige Anime-DVD-Label, ebenso der größte Manga-Verlag im deutschsprachigen Raum. Die „KAZÉ Anime Nights“ sind monatlich stattfindende Kinoereignisse. Hier findet ihr weitere Informationen zu späteren Terminen und Tickets.


Manga-Tipps: So vielfältig ist die Welt der Japan-Comics

Für viele Menschen können Manga befremdlich sein. Häufig übersexualisierte Darstellungen, kindische Inhalte oder albernes Motivationssprech „Glaub an dich“, „Du musst nur an dir Arbeiten“, „Werde stärker, besiege deine Feinde“ lassen das Medium mitunter erscheinen wie die ADHS-Version eines Marvelheftchens. Der Fehler: Würden wir Comics nur auf Stan Lee reduzieren, dürfte uns wohl einiges entgehen. Manga bieten mehrere Genres, die erwachsene wie auch junge Menschen ansprechen. Komplizierte Kriminalfälle, Mobbing, psychische Erkrankungen, Schmonzetten, aber auch Geschichten über Musik, Sport, Abenteuer. Wir stellen euch ein paar vor, die sich besonders zum Einstieg lohnen.

Death Note (Krimi, Thriller)

Death Note erzählt eine spannende Geschichte, die gerade Krimifans begeistern dürfte, weil mal was Neues. Foto: Alatorde/CC BY-SA 3.0

Die Geschichte rund um den Schüler Light Yagami, der ein Buch findet, mit dem er via Eintrag Menschen töten kann, zeichnet sich durch einen düsteren Erzählstil aus. Light nutzt die Macht, um eine seiner Meinung nach gerechte Welt zu erschaffen, in dem er Judikative, Exekutive und Legislative besetzt. Er tötet und tötet, bis ein Detektiv die Verfolgung aufnimmt. Die Krux: Light braucht den Namen seiner Opfer, der Detektiv tritt jedoch nur unter Pseudonym auf. Das Ergebnis ist ein spannender Wettstreit auf intellektueller Ebene. Spannend, manchmal aber auch etwas stark überzogen inszeniert.

One Punch Man (Comedy, Action)

Obacht! Die Faust ist gefährlich. Foto: Taha sabry/CC BY-SA 3.0

Es muss schrecklich langweilig für Superheld:innen sein, wenn alles Böse mit nur einem Schlag in die Horizontale befördert wird. Ein Luxusproblem, mit sich Saitama nur zu gut auskennt. One Punch Man erzählt die Geschichte des selbsternannten Hobbyhelden. So gewaltig seine Gegner auch dargestellt werden, einen richtigen Kampf bekommt er nicht. Darüber hinaus drängt sich ihm noch ein Cyborg als Schüler auf, der ihn durch sein doch recht normales Leben begleitet, ständig auf der Suche nach Saitamas Geheimnis hinter seiner Kraft. One Punch Man ist ein hübscher Gegenentwurf zu den langweiligen Superheldengeschichten, die mittlerweile die Leinwände dominieren.

Dr. Stone (Abenteuer, Wissenschaft)

Fantasy, aber mit cleverem Wissenschaftsansatz: Dr.Stone. Foto: Boichi/gemeinfrei

Mit einem. Mal werden alle Menschen zu Steinsäulen. Ohne Vorwarnung, geschweige denn einer bekannten Ursache. Es vergehen tausende Jahre, bis der Schüler Senku Ishigami erwacht. Er, ein menschgewordenes Wikipedia, nur faktenverliebter, plant darauf, ein Heilmittel für die noch übrigen versteinerten Menschen zu finden und die Menschheit wiederum zu dem Punkt zu bringen, an dem sie vor dem Vorfall war, allerdings besser. Hinsichtlich des urzeitähnlichen Zustandes des Planeten ein Mammutprojekt. Dr. Stone erzählt eine spannende Geschichte untermauert mit vielen spannenden Fakten, etwa wie Instant-Nudeln gemacht werden oder was es für Antibiotika braucht.


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