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Martin Suter: „Allmen und die Libellen““

LibelleMartin Suter ist der Mann für das gehobene Verbrechen. Sein Stil wirkt so poliert, gelenkig, elegant wie das Milieu, in dem er nach Motiven und nach Mördern sucht. Er nimmt die Business Class aufs Korn, Besser­verdienende mit niederer Gesinnung. Suter nämlich ist ein Schweizer: Geld ist Triebfeder in seinen Kriminalromanen. Die diskrete, renditehungrige Mentalität in Teilen seines Landes hat er oft in seinen Romanen mit schnellem Strich in unterhaltsame Milieustudien übersetzt. Nun kommt ein neuer Serienheld, von Allmen heißt er, alter Adel – ein Dagobert, der einst in seinen Talern schwamm. Die Taler sind verprasst, mit seinem Charme und alter Schule aber glückt es immer wieder, durch Kleindiebstahl die eigene Liquidität zu sichern – und seinen „Assistenten“ aus Guatemala, eigentlich ist er sein Butler, zu finanzieren. Dennoch drücken hohe Schulden, die Gläubiger drohen ihm offen mit Gewalt. Da kommt es gelegen, dass er von einer höheren Tochter abgeschleppt wird. Er lernt sie in der Oper kennen, sie nimmt ihn mit nach Hause.

Als er nachts die Toilette sucht, vertut er sich, geht durch die falsche Tür und kommt in das Antiquitätenzimmer ihres Vaters. Dort liegen Jugendstilschalen, die ein Vermögen wert sind, sie tragen das Motiv einer Libelle. Er steckt sie ein. Verkauft sie an den Kunsthändler, der ihn mit seiner Barauszahlung vorerst aus dem Tal der Tränen holt und ihn saniert. Wenige Tage später ist der Händler tot. Ermordet. Natürlich liegt das an der Hehlerware, die Allmen gestohlen und ihm verkauft hat. Auch Allmen selbst wird nun bedroht. Suter hat sich kurzgefasst in diesem Buch, das tut der Story gut. „Der Koch“, sein letzter Bestseller, war dickleibig und parfümiert, war überladen und verfing sich in den gut gemeinten, politisch jedoch allzu korrekten Absichten um einen tamilischen Asylbewerber. Mit seinem neuen Helden wiederum, dem mittellosen Dandy, über den er weitere Bücher schreiben will, wird man schnell warm – selbst wenn der Autor die Figuren des Romanes hemmungslos verheizt. Für die Pointen tut er alles, doch die Pointen sind es wert. Wo Suter in „Die dunkle Seite des Mondes“ noch auf Drogenrausch und hintergründige Psychologie gesetzt hat, arbeitet er jetzt derart grell, als säße er an einem Comic. Er überzeichnet, das aber mit so viel Verve, dass ein Realitätsabgleich niemandem in den Sinn kommt. Suter setzt auf Dialoge, er schreibt fidel, greifbar, schlank. Das alles klingt nach Drehbuch und gepflegtem Kino.

Text: Lars Grote

Foto: www.plainpictures.com

tip-Bewertung: Lesenswert

Martin Suter: „Allmen und die Libellen“
Diogenes, 197 Seiten, 18,90 Ђ

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