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Monika Zeiners Debütroman „Die Ordnung der Sterne über Como“

Zeiner_-Monika-(c)-Milena-SchloesserMonika Zeiner schwingt sich auf ihr Fahrrad und radelt durch die Straßen von Prenzlauer Berg. Die Art, wie sie es tut, hat etwas Belustigendes, leicht Sonderbares. Zumindest an diesem Morgen. Denn Zeiner radelt nicht im Sitzen, sie radelt im Stehen. Im Stehen durch die Schönhauser Allee, im Stehen hinein in die Gneiststraße, bis zum Cafй Butter. Dabei macht die Einmeterfünfundsiebzigfrau eine gute Figur. Falls es die Disziplin nicht bereits gibt, jetzt könnte sie erfunden werden: Velo-Walking. Einen sportlichen Hintergrund hat die Aktion aber nicht. Die Sache liegt denkbar anders. Der Sattel ist weg. Geklaut. Soll ja öfter passieren in Berlin.

Der Morgen ist grau und kühl, das Cafй gut gefüllt. Zeiner bestellt eine Latte macchiato. Nach der Fahrrad-Aktion könnte Sport ein gutes Thema sein. So als Warm-up. Ist es aber nicht. „Während der Gymnasialzeit in Tauberbischofsheim habe ich in einer Fecht-AG gefochten, an der Uni in Erlangen einen Pro­blemzonen-Gymnastikkurs absolviert“, und das war es dann auch schon. Die 42-Jährige gehört zu den Begnadeten, die auch ohne körperliche Ertüchtigung schlank bleiben. Das Einzige, was sie zurzeit an Sport erinnert, ist ihre Gymnastikmatte in ihrer Wohnung. Die wird aber kaum benutzt. „Aber wie kommen Sie auf Sport?“, startet Zeiner ihre Gegenoffensive. „Im ganzen Buch geht es doch überhaupt nicht um Sport.“

Stimmt. Monika Zeiner hat ein Buch geschrieben. Kürzlich sollte sie dieses vor exklusiver Kulisse im Hotel Waldorf Astoria vorstellen. Auf Einladung des Börsenvereins. Als Vertretung für Terezia Mora. Lesung in der Library in der 15. Etage. Mit Essen und Fernsicht über die „kaputte Kirche“. Aber das Essen gab’s dann doch nicht. Die angepriesene Fernsicht auch nicht. Die Veranstaltung wurde abgesagt mangels Nachfrage. Pfusch beim Vermarkten, offensichtlich. Zeiner erfuhr erst wenige Stunden vorher davon. Auch so etwas kommt vor.
Ihr Roman mit dem Titel „Die Ordnung der Sterne über Como“ war das Erfolgsdebüt des Jahres. Die melancholisch grundierte, zwischen Berlin und Süditalien angesiedelte Geschichte einer Mйnage-а-trois. Kapitel ­einer Sprache der Liebe zwischen Illusion und Desillusion. Stilsicher erzählt. Knapp schrammte das Buch an zwei Auszeichnungen vorbei: dem Aspekte-Literaturpreis und dem Deutschen Buchpreis.

Auch wenn Zeiner nicht gewann, profitiert hat sie dennoch von der Nominierung. „Momentan bin ich sehr viel auf Reisen.“ Lesetermine quer durch die Republik. Aber auch Konzerte. Denn Zeiner singt. Italienisches Liedgut. Canzonen. Ein süßes Erbe ihrer Studienjahre in Neapel.
Und sonst? „Es ist bei mir alles total langweilig und normal“, scherzt die Frau mit dem Pagenschnitt und greift zu einer zweiten ­Tasse Kaffee. Freund, zwei Kinder (Mädchen, zwei und fünf), 111-Quadratmeter-Wohnung, kaputtes Fahrrad, viele Träume. Der Freund, man ahnt es schon, wenn man das Buch liest, ein Musiker. Gitarrist ihrer Band Marinafon.

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Die Beziehung existiert schon seit 1997. Bemerkenswert. Deshalb auch, weil sich Zeiners Sicht- und Denkweisen ganz anderen Wahrheiten verpflichtet fühlen. „Liebe“, sagt sie, „ist immer unerfüllt.“ Eine Erkenntnis, die nicht von ungefähr kommt. 2004 promovierte Zeiner an der FU nach Studium der Romanistik und Theaterwissenschaft über „Liebesmelancholie im Mittelalter“. Ihre über 300 Seiten starke Dissertation hatte maßgeblichen Einfluss auf die „Sterne über Como“. Ob das auch beim nächsten Buch so sein wird? Zeiner schreibt bereits daran. Ein Familienroman soll es werden, der bis in die 1920er-Jahre zurückreicht. Das riecht erneut nach Tragik. Und nach einem großen Stoff.

Text: Andreas Burkhardt

Foto: Milena Schlösser
Monika Zeiner:
„Die Ordnung der Sterne über Como“
Aufbau Verlag, 607 Seiten, 19,99 Ђ

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