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Mutter der Mumins

Mutter der Mumins

Dieser Text ist eine ­Liebeserklärung. Wer, wie der Autor dieser Zeilen, als Kind die Abenteuer der Mumins verschlungen hat, kann auch Jahrzehnte später vom Werk der 1914 in Helsinki geborenen Künstlerin, Illustratorin und Schriftstellerin nicht lassen. Freilich wusste man als junger Leser wohl kaum, dass Tove Jansson, bevor sie sich den knuddeligen Wesen widmete, ein schillerndes Boheme-Leben zwischen der finnischen Hauptstadt, Stockholm und Paris führte und als politische Illustratorin und Karikaturistin gefragt war. Dass sie aus einer Künstlerfamilie stammte, überzeugte Pazifistin und lesbisch war. Man erfährt darüber erst in Tuula Karjalainens kürzlich ins Deutsche übersetzten und bei Urachhaus verlegten Biografie. Dort öffnet sich der Blick auf eine komplexe Künstlerpersönlichkeit, auf eine Frau, die in einer Zeit erfolgreich wirkte, als die Geschlechterrollen noch klar verteilt waren.  
Jansson malte, gestaltete Bucheinbände, Postkarten und Skulpturen, sie arbeitete als Zeichnerin für Zeitschriften und schrieb. Allen voran das gute Dutzend „Mumin“-Bücher, dazu die von ihr und später von ihrem Bruder gezeichneten „Mumin“-Comics, die in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden und auf Deutsch liebevoll aufgearbeitet bei Reprodukt erscheinen. Der neueste Band „Mumins Winterfreuden“ ist für Ende September angekündigt.
Hinzu kommen mehrere ernsthafte Romane, die sich an ein erwachsenes Publikum richten. Das „Sommerbuch“ (Bastei Lübbe), die berührende Geschichte von Sophia und ihrer Großmutter, die den Sommer auf einer kleinen finnischen Insel verbringen, wurde ebenfalls in diesem Jahr neu aufgelegt. Da Finnland bei der kommenden Buchmesse in Frankfurt Ehrengast ist, wird auch dort die vermutlich bekannteste Autorin des Landes gewürdigt. Viele weitere Veranstaltungen im Jubiläumsjahr, und zwar europaweit, versammelt die Webseite tove100.com. In Berlin ist zum Beispiel aktuell die Ausstellung „Mumins zauberhafte Welt“ im Schwulen Museum zu sehen.
Was Tove Jansson auch tat, tat sie als Pionierin, als mutiger, beseelter und mit enormer Vorstellungskraft ausgestatteter Freigeist. Danke dafür und alles Gute zum 100.!

Text: Jacek Slaski

Foto: Reprodukt

Ausstellung: Mumins zauberhafte Welt, Schwules Museum, bis 10.11.

Comic: Mumins Winterfreuden, Reprodukt, 48 S. 10 Euro

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