Kommentar

„Na, Gott“ von Erik Heier

Gott muss demnächst nach Rheinsberg. Wenn es ihn denn gibt. Warum auch nicht. Man hört ja öfter von ihm. Bei Ahne. Ein Zwiegesprächler vor dem Herrn

Erik Heier

Also: Gott. Ahne aber auch. Richtig göttlich. Ahne ist von Juli bis September als 46. Stadtschreiber in Rheinsberg, er bezieht die kleine Stadtschreiberwohnung am Schloss. Vor vielen Jahren habe ich dort mal einen von Ahnes Vorgängern besucht, Wiglaf Droste, man kann dort wirklich schön Zwiegespräche führen, vor allem im Sommer. Na, Gott? Jetzt wird das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum zur Lesebühnen-Dependance in der Mark, die ja immer noch nicht Euro heißt, schlimmer Kalauer, weiß ich. Aber diese Kolumne will eine heitere sein, zur Abwechslung, es gibt genug Irrsinn gerade, da fällt einem ja auch nichts Heiteres mehr ein. Zum Beispiel, wenn sieben Jahre nach Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ ein Buch in den Amazon-Sachbuchcharts ganz oben steht, dessen lateinischer Titel so ähnlich klingt: „Finis Germania“, das durch ein irres Votum eines „Spiegel“-Redakteurs und Bis-dahin-Jurymitglieds sogar in die Sachbuch-Bestenliste von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ geraten ist. Nach allem, was man über den Band eines einst geachteten, aber gegen Ende seines mittlerweile beendeten Lebens nach rechtsaußen abgedrifteten Sachbuchautors liest, ist er eine teils rechtsradikale Zumutung. Aber ach, wir wollten heiter bleiben, es ist doch Sommer, Jan Wagner kriegt den Büchnerpreis, Gott fährt gen Rheinsberg. Und der Rest ist jetzt mal: Schweigen.

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