Bücher

Oliver Uschmann: Das Gegenteil von oben

Das_Gegenteil_von_obenDenis ist 15 und hat im Großen und Ganzen ähnliche Probleme wie andere seines Alters: Schulstress, Trouble mit seiner alleinerziehenden Mutter und Mädchen. Doch im Gegensatz zu vielen Gleichaltrigen versucht er das nicht durch Obercoolness zu kaschieren, sondern flieht in eine selbst geschaffene Parallelwelt, in der sich dank seiner blühenden Fantasie persönliche Beobachtungen von Menschen seiner Nähe mit Zeitungsmeldungen und Szenen aus Computerspielen zu einem explosiven Cocktail vermischen. Das fragile Gleichgewicht kippt, als der Sohn des Hausmeisters vom Block gegenüber eines Tages verschwindet und Denis zum heimlichen Detektiv wird, um seine Verschwörungstheorie auf den Grund zu gehen.

Rasant und detailliert zieht Oliver Uschmanns Coming-of-Age- Roman in die hintersten Winkel einer jugendlichen Identität. Dieser 15-Jährige ist so schräg und dabei so sympathisch skizziert, dass man seiner verschrobenen Denkweise gern folgt und die Kapriolen seiner Fantasie begeistert mitschlägt. Gekonnt flicht der junge Autor (Jahrgang 1977) dabei reale Zeitungsberichte, politische Statements, Verweise auf Filme und Computerspiele ein, die der spielaffinen Teenie-Generation mit Sicherheit gefallen. Sein Porträt wirkt aber auch deshalb sehr authentisch, weil er seine Figur in einem realen Frankfurter Ghetto-Hochhaus Googlemap-artig verortet und den Nebenfiguren von der taffen Großmutter bis zum Kiezschlägertypen mit Herz klare Konturen verleiht. Uschmann trifft nicht nur ins Mark der Zielgruppe zwischen 16 und 25 Jahren, auch für Semester darunter und darüber liest sich der Roman wie ein Streifzug durch die Seele einer Generation, einer Stadt, eines Landes.

Mehr über Cookies erfahren