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Padgett Powells „Roman in Fragen“

Fragen, Fragen, nichts als Fragen. Wirklich. Ein ganzes Buch lang, von vorn bis hinten, 192 Seiten. Kein Held, keine Handlung, keine zweite Ebene, kein doppelter Boden. Bei so banalen Fragen wie „Können Sie sehr gut Rad fahren?“ murmelt man nur ein „Na sicher“ vor sich hin, während man auf die ziemlich spezielle Frage „Haben Sie je einer dicken, großen Frau beim Zuckerkochen zugesehen, wie sie das Kandierthermometer scharf im Auge behält?“ mit einem energischen „Nein“ reagiert und sich ohne große Vorfreude der nächsten zuwendet. Aber auch die ist nicht überzeugender: „Wäre es nicht besser, in einer Ära gelebt zu haben, in der wir routinemäßig ,Leggins‘ trugen?“
Auf diese Zumutung an Wissensdurst seitens des Autors muss die Gegenfrage erlaubt sein: Hat man im Alltag nicht schon genug Fragebögen auszufüllen? Da will man in seiner Freizeit nicht auch noch sinnlose Fragen beantworten.

Der 1952 in Gainesville, Florida, geborene und dort als Dozent für kreatives Schreiben lebende Padgett Powell hat nach einigen Jahren als Dachdecker vor fast 30 Jahren hoffnungsvoll mit dem Roman „Edisto“ debütiert, wofür es eine National-Book-Award-Nominierung gab, und dann noch ein, zwei interessante Bücher nachgeschoben.
Was der Donald-Barthelme-Schüler in seinem aktuellen Buch „The Interrogative Mood: A Novel?“ abliefert, ist im formalen Ansatz zwar interessant, im Ergebnis aber enttäuschend. Möglicherweise hätte das Experiment aus einer fragenden Stimmung heraus gelingen können, wenn Powell eine zweite Idee gehabt hätte, aber in der bloßen Aneinanderreihung nur selten wirklich intelligenter Fragen ist die Ausbeute an Erkenntnis oder Erbauung für den Leser nur gering.

„Lassen Sie sich gern einen Bären aufbinden?“, fragt er uns auf Seite 151. Nein! Zum Glück sind’s da bis zum Ende nur noch 41 Seiten. An der Ernüchterung kann auch der allseits gelobte und ja wirklich oft gute Übersetzer Harry Rowohlt nichts ändern, dessen Namen Verlage meist so groß wie den des Autors aufs Titelblatt setzen in der Hoffnung, ein zusätzliches Verkaufsargument zu liefern. In diesem Fall ist es schlicht und einfach Kundentäuschung.
Ob Padgett Powells „Roman in Fragen“ ein uninteressantes Buch ist? Ja. Das ist nun wirklich keine Frage.

Text: Reinhard Helling
tip-Bewertung: Uninteressant

Padgett Powell: „Roman in Fragen“? Aus dem Amerikanischen von Harry Rowohlt, Berlin Verlag, ?192 Seiten, 17,90 €

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