Bücher

„Parkinson“ von Erik Heier


Ich habe nie verstanden, wieso manche Kritiker es Autoren grundübel nehmen, wenn die Bücher über ihre Krankheiten schreiben. Vor ein paar Jahren war so eine Debatte richtig aus dem Ruder gelaufen. Damals gab es gerade mehrere so genannte Krebs-Bekenntnis­bücher, von Christoph ­Schlingensief zum Beispiel. Ein Journalist vom „Freitag“ machte sich mit dem bei Charlotte Roche aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat „Wer hat geil Krebs?“ ein paar Freunde weniger. Ich würde eher das Genre der Mutter- und Väter-Bücher, der Dating-Romane oder der Selbst­optimierungs­schmöker einem Publikations­moratorium unterwerfen, aber das ist eine andere Geschichte. Einige der eindrücklichsten literarischen Werke der letzten Jahre handeln jedenfalls von schweren Krankheiten. Von tödlichen Krankheiten. Wolfgang Herrndorfs „Arbeit und Struktur“ zuallererst. Der aus dem rumänischen Banat stammende Lyriker, Essayist und Roman­autor Richard Wagner, der seit 1987 in Berlin lebt, hat nun ein schmales Buch mit dem Titel „Herr Parkinson“ geschrieben: „In meinem Sessel sitzt Herr Parkinson und mischt die Karten.“ Es ist nichts weniger als großartige, aufwühlende, verstörende, berührende Literatur. Zum Heulen schön.

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