• Kultur
  • Bücher
  • Peggy Mädler: „Legende vom Glück des Menschen“

Bücher

Peggy Mädler: „Legende vom Glück des Menschen“

Das_Glueck_des_MenschenBeim DDR-Fernsehen fallen einem neben dem Sandmännchen Sendungen wie „Mach mit, machs nach, machs besser“, die Flimmerstunden mit Professor Flimmrich und, mit einer gewissen Zwangsläufigkeit, „Der schwarze Kanal“ ein, in der Chefkommentator Karl-Eduard von Schnitzler gegen den Westen hetzte. Hin und wieder griff „Sudel-Ede“ auch zur Feder und verfasste ihm eigenes Schrifttum. So zum Beispiel die 1968 entstandene Bilddichtung „Vom Glück des Menschen“. In Peggy Mädlers ähnlich lautendem Debütroman ist dieser Propaganda-Band Dreh- und Angelpunkt einer lockeren, sich über drei Generationen erstreckenden Familiengeschichte in der DDR. Dabei geht es im Kern um Variationen einer Frage: Was ist Glück? Bezogen auf die Handlung, erfährt das Allgemeine dieser Frage ihre Zuspitzung: Kann man Glück staatlich verordnen? Beziehungsweise: Wie glücklich war das Glück im Osten?

Die Ich-Erzählerin sondiert Mitte der 90er Jahre den Nachlass ihres Großvaters. Dabei fällt ihr das Schnitzlersche Machwerk in die Hände, das der Opa einst als Auszeichnung für seine Verdienste um den volkseigenen Einzelhandel erhielt. Der anmaßende Titel des Buches mit seinen Kapiteln (Glück der Freiheit, der Arbeit, des Miteinanders, des Friedens usw.) bildet den Anlass, über die Situation der eigenen Familie zu reflektieren – ausgehend von den Großeltern, die mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges heiraten, ihr Glück der NS-Diktatur unterordnen und nach Kriegsgefangenschaft, Heimkehr, Wiederaufbau in einem Mix aus Symbiose, falschen Gefühlen und Durchhaltewillen ihr Dasein fristen. Und das Glück der Eltern, die im real existierenden Sozialismus das Leben als starres Konstrukt erfahren, bei dem Berufswünsche und Selbstverwirklichung auf der Strecke bleiben? Nicht viel besser. Als Letztes im Fokus: der Werdegang der Ich-Erzählerin vom ideologischen Mief des DDR-Schulalltags bis über die Wende, einem Geschichtsstudium an der Humboldt-Uni und einer Hinterhofwohnung im wiedervereinten Deutschland, das auch nicht frei ist von Desillusionierungen. Peggy Mädler, die 1976 in Dresden geboren wurde und in Berlin lebt, ist ein intelligenter Erstling gelungen. Sensibel, detailreich. Eine kleine Meditation über eine unvollkommene Zeit.

Text: Andreas Burkhardt

tip-Bewertung: Lesenwert

Peggy Mädler: „Legende vom Glück des Menschen“ Galiani, 224 Seiten, 16,95?Ђ

Mehr über Cookies erfahren