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„Pola“ von Daniela Dröscher

Wie alle großen Diven des Stummfilms war Pola Negri ein Kunstprodukt, gefertigt aus Mythen, Ehrgeiz und viel Make-up. Geboren 1897 als Barbara Apolonia Cha?upiec im polnischen Lipno, wurde die ausgebildete Tänzerin nach dem Ersten Weltkrieg als exotische Femme fatale in den UFA-Filmen Ernst Lubitschs zum Star und folgte dem Regisseur nach Hollywood. Dort arbeitet sie weiter an ihrer Karriere und pflegte ihren Ruf durch zahlreiche Affären, unter anderem mit Chaplin und Valentino. Mit dem Übergang zum Tonfilm war dann ein neuer, sachlicherer Typ gefragt, mit ihrem schweren Akzent und ihrer theatralischen Attitüde galt sie als Kassengift.

Die in Berlin lebende Autorin Daniela Dröscher lässt sich in ihrem Roman „Pola“ ebenfalls auf eine Maskerade ein, auf ein Spiel mit Rollen und Perspektivwechseln, das dem ihrer Protagonistin ebenbürtig ist. Der zeitliche Anker der Erzählung ist Negris Rückkehr nach Deutschland 1934 für den Willi-Forst-Film „Mazurka“. Doch der Weg zum Comeback ist steinig, und bald findet sie sich in einer unappetitlichen erotisch-politischen Intrige wieder, in der verzweifelte jüdische Produzenten, ein toter polnischer Präsident und – natürlich – Reichsminister Goebbels eine Rolle spielen. All dies erzählt Dröscher souverän, verzahnt die Zeitebenen gekonnt und streckt die Fühler spielerisch in die Zukunft aus, wenn die Wahrsagerin Polas jugendlichem Geliebten Hermann Braun eine späte Wiederkehr im Werk eines Jungfilmers namens Fassbinder prophezeit.

„Pola“ ist eine unterhaltsame, gut recherchierte Lektüre mit allerhand Zeitkolorit und Namedropping, doch obwohl die Erzählperspektive sich fast durchgängig an die kapriziöse Diva anschmiegt, kommt der Leser ihr nicht wirklich nahe. Viele Dialoge wirken aufgesagt, passagenweise erinnert der Duktus an den sentimentalen Kolportagestil der zeitgenössischen Filmmelodramen. Bei dieser profilierten Schriftstellerin kann man dahinter eine stilistische Strategie vermuten, den Versuch einer formalen Verdopplung des psychologischen Befunds, dass dem Stummfilmstar nach 20 Jahren verbissener Imagepflege der Persönlichkeitskern abhanden gekommen sei. Der literarische Mehrwert bleibt dabei aber eher bescheiden.

Text: Stella Donata Haag
tip-Bewertung: Annehmbar

Daniela Dröscher: „Pola“
Berlin Verlag, 304 Seiten, 19,99 €

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