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Rafik Schami „Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte“

rafik_schamRafik Schami ist als Erzähler viel herumgekommen. Genau 362?723 Kilometer hat der syrisch-deutsche Schriftsteller auf seinen Lesereisen zurückgelegt. „Das heißt, vereinfacht, aber poetisch formuliert: In all den Jahren bin ich neunmal erzählend um die Erde gefahren“, rechnet er nach. Dabei hatte Schami zunächst einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Als promovierter Chemiker arbeitete er bei einem Weltkonzern, bis er 1982 „fast kaltblütig“ beschloss, fortan als Schriftsteller zu leben – „eine wahnsinnige Entscheidung“, die ihn noch heute „zittern“ lässt. Dennoch sei er sich sicher, niemals in seinem Berufsleben einen besseren Entschluss gefasst zu haben.  

In seinem neuen Werk „Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte“ schildert Rafik Schami, wie er zum Erzähler wurde. Sein Großvater war es, der ihn als Siebenjährigen zum Suk Qumeile mitnahm, dem Flohmarkt von Damaskus. Dort konnte man nicht nur Datteln und Häuser kaufen, sondern auch Gerüchte oder einen Mann, der von seiner Ehefrau feilgeboten wurde, weil er kaum redete. Beeindruckt fasste der junge Schami den Entschluss, „Frauen immer Geschichten zu erzählen“, damit sie ihn nicht verkauften.

Zum prägenden Erlebnis für den Heranwachsenden wurde eine Ausstrahlung der Geschichten der Scheherazade aus „Tausendundeine Nacht“ im syrischen Rundfunk. Zum ersten Mal spürte Rafik Schami dabei die Macht des Erzählens, die unter Umständen über Leben und Tod entscheiden konnte. Ähnlich beeindruckt war er später nur noch vom Don Quijote und den Geschichten der Bibel.

In seinem Buch schreibt Rafik Schami über kindliche Fantasie, die Lust am Spielerischen und das Genre, das ihn am meisten fasziniert, obwohl es von vielen Erwachsenen als Spinnerei abgetan wird: das Märchen. „Wer Märchen verachtet, ähnelt dem Dummkopf, der mich vor dreißig Jahren in einer Heidelberger Kneipe ‚Kameltreiber‘ nannte. Er war sprachlos, als ich mich fröhlich bei ihm bedankte: ‚Leider ist es für mich zu viel der Ehre. Ich beherrsche diese hohe Kunst nicht. Ein Kamel durch die Wüste zu treiben ist so kompliziert wie die große Kunst der Aquarellmalerei.“
Ein Erzähler erzählt über das Erzählen. Und man hört ihm gern dabei zu.

Text: Ralph Gerstenberg

tip-Bewertung: Lesenswert

Rafik Schami „Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte“ Hanser Verlag, 176 Seiten, 17,90?Ђ

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