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Rayk Wieland: „Kein Feuer, das nicht brennt“

In Rayk Wielands vorherigem Roman „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ (2009) blieb sein Held W. zigarrerauchend in der Kneipe sitzen, als sich die Grenzen öffneten. 20 Jahre später hat er das ehemalige Staatsgebiet der DDR immer noch nicht verlassen, allerdings inzwischen Karriere gemacht – als Reisereporter.

Aber W.s Laufbahn als Tom Kummer des Reisejournalismus endet jäh, als sich nach seiner Fake-Reportage über einen Golfplatz in den Diamantenbergen von Nordkorea die „verrückteste Diktatur der Welt“ mit seiner Redaktion in Verbindung setzt und den ganzen Schwindel auffliegen lässt. Er macht sich aus dem Staub, nach Shanghai, um seine alte Liebe Liane zu besuchen, reist schließlich zur Chinesischen Mauer. Auf Schritt und Tritt wird er dabei mit Fälschungen und fingierten Realitäten konfrontiert. Leitmotiv des Romans ist ein Plasmabildschirm-Kaminfeuer, das am Ende von diesem begnadeten Quatschkopf in einem irrwitzig-rabulistischen Entscheidungsmonolog als Lug und Betrug entlarvt wird.

Folgerichtig ist „Kein Feuer, das nicht brennt“ gar kein Roman, sondern eine groß angelegte Simulation eines solchen. Die Story ist an den Haaren herbeigezogen und dient nur mehr der Illustration der einen großen Frage: ob man angesichts der Realitätssurrogate, die uns umgeben, überhaupt noch von einer authentischen Wirklichkeit sprechen kann. Dass man diesen absurden erzählerischen Leerlauf trotzdem mit Vergnügen liest, ist Wielands stilistischer Eleganz und seinem enormen Witz geschuldet. Es geht hier um nichts, aber das macht auch nichts.

Text: Frank Schäfer
tip-Bewertung:
Lesenswert

Rayk Wieland: „Kein Feuer, das nicht brennt“
Verlag Antje Kunstmann, 157 Seiten, 16,95 €

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