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Renate von Mangoldt: „Autoren“ mit 500 Bildern

Renate_von_Mangoldt-c_AndreasBurkhardtZu Beginn ihrer Karriere als Fotografin lichtete Renate von Mangoldt, geboren 1940 in Berlin, unter anderem Menhire ab – aufrecht gestellte Monolithen. Angeregt durch den Lyriker und Literaturwissenschaftler Walter Höllerer, den sie 1965 heiratete, schwenkte sie aber auf ein anderes Genre um: die Schriftstellerfotografie. Seit 1963 hat sie für das Literarische Colloquium in Berlin gearbeitet und die Autoren im Haus ins Bild gebannt, noch ganz analog in einer Dunkelkammer hoch über dem Wannsee. Jetzt erscheinen bei Steidl ihre gesammelten Autoren-Fotos aus knapp fünf Jahrzehnten.

IngeborgBachmann_c_Renatevon_MangoldEin kleines Warm-up zu Beginn. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit folgenden Autoren: Ingeborg Bachmann?
RENATE VON MANGOLDT
Ich habe sie nur ein Mal fotografiert, das war in einer Filmsituation in Rom, November ’69. Sie tritt da in einer unglaublichen modischen Eleganz auf: in Ledermantel, mit Lederstiefeln weit über die Oberschenkel.

Jörg Fauser?
Ein Kultautor, an den ich mich kaum noch erinnere.

Thomas Bernhard?
Obwohl er ’69 im LCB war, fehlte er mir in meinem Archiv. So fuhr ich Jahre später, 1984 war’s, nach Österreich. Ich bin ein Bernhard-Fan, hatte wohl auch deshalb ein bisschen Angst, dass ich „meinen“ Autor zu sehr drangsalieren könnte mit meinen Fotowünschen. Ich kam damals gerade aus dem Tessin und hatte meinen damals 14-jährigen Sohn Tobias dabei, der mir auch Halt gab. Wieland Schmied, der den Fototermin vermittelt hatte, lud uns zum Essen in einen Gasthof in Gaspoltshofen ein. Danach im Hinterhof das Fotografieren.

In welcher Stimmung war er?
Bernhard war in allerbester Laune und er posierte mit Verve. Er stellte sich vor seinen Suzuki-Geländewagen, vor eine Reihe Bierfässer, schließlich vor einen Stapel Holzlatten in die Späne hinein. Mir gefiel das alles nicht, aber es musste genügen. Zwei Monate später erschien „Holzfällen“ und plötzlich passten die Fotos doch sehr gut.

Und W. G. Sebald?
Ich machte von ihm Schnappschüsse im Colloquium. Die stellten mich aber nicht zufrieden. So hoffte ich auf eine weitere Gelegenheit. Dazu kam es aber aufgrund von Sebalds Autounfall nicht mehr.

MichelHouellebecq_c_RenatevonMangoldtGab es eine kuriose Begegnung?
Ein langes Telefongespräch mit Peter Hacks Mitte der 80er, den ich für mein Buch ­„Berlin literarisch“, das erstmals auch die Autoren Ost miteinbezog, gewinnen wollte. Hacks war überaus liebenswürdig, aber als ich ihn dann fragte, wann wir uns treffen, sagte er kategorisch: „Gar nicht!“ Da fühlte ich mich vor den Kopf gestoßen.

Wie viele Dichterfotos haben Sie gemacht?
Mit Sicherheit von über 1?000 Autoren.

Was halten Sie vom Fotografieren im digitalen Zeitalter?
Ist nicht mehr meine Technik. Hat Vor- und Nachteile. Spart viel Zeit und Aufwand, verlockt aber allzu viele Menschen zu einer Art Fotoschwemme.

Haben Sie inzwischen auch eine digitale Spiegelreflexkamera?
Ja, eine.

Gibt es eigentlich Autoren, bei denen Sie denken: Verdammt, der ist mir nicht vor die Linse gekommen?
Oh ja! Samuel Beckett ist zu nennen, der damals hier im Schiller Theater inszenierte. Dann W. H Auden, der einer der ersten DAAD-Stipendiaten war. Und natürlich Arno Schmidt, den ich hier in Berlin auch noch hätte erwischen können.

JudithHermann_c_Renate_von_MangoldtWelches Foto ist Ihr bestes?
Du lieber Gott! Ich weiß nur, was mein erstes war: Walter Höllerer in Erlangen. Ich habe kein bestes. Allgemein wird gesagt, dass das Foto von Judith Hermann mein bestes sei. Das ändert sich auch. Es ist wie mit den Büchern: Man hat nicht ein bestes Buch.

Das Hermann-Foto ist schon speziell, es wirkt, wie aus der Zeit gefallen.
Es war ein heller Wintermorgen im LCB und Hermann kam, so schön wie sie war: Sie trug ein Winterkleid mit Pelzbesatz, das Licht kam von hinten und von der Seite, umgab sie mit einer Aura. Im neuen Buch stelle ich diesem Foto eins gegenüber, was zwei Jahre später entstand, das ist ganz und gar anders.

Sie erwähnen Ihr neues Buch. Was steckt alles drin?
500 Bilder, 300 Autoren, natürlich auch die Gruppe 47, aber es reicht bis in die Gegenwart. 

Interview/Foto: Andreas Burkhardt

Fotos: Renate von Mangoldt

Renate von Mangoldt: „Autoren. Fotografien 1963–2012“
Steidl, 544 Seiten, 38 Ђ (erscheint im Februar)

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