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Robert Harris: „Intrige“

Harris_RIntrige_135346_300dpi„Die Idee für diesen Roman entstand bei einem Mittagessen mit Roman Polanski“, sagt Harris in der Danksagung zum Roman. Da ist es nur konsequent, dass die beiden ihre erfolgreiche Zusammenarbeit von „Der Ghostwriter“ fortsetzen und mittlerweile gemeinsam schon am Drehbuch von „Intrige“ arbeiten. Das macht die Spannung von „Intrige“ aus: Einerseits erzählt Robert Harris faktenorientiert von einem historischen Ereignis, andererseits sind die Parallelen zur NSA der Gegenwart unübersehbar.

Die Dreyfus-Affäre erschütterte Ende des 19. Jahrhunderts die französische Republik, denn der Offizier war unschuldig – wurde aber als mutmaßlich deutscher Spion verurteilt und erst nach fünf Jahren Haft auf der Teufelsinsel mehr schlecht als recht rehabilitiert. „Er gab sich keinerlei Mühe, seinen Reichtum zu verbergen“, notiert Harris’ Erzähler über Dreyfus und macht damit schnell deutlich, dass auch der vierzigjährige Offizier und Geheimdienstmann Picquart anfällig ist für antisemitische Klischees. Am Tage der öffentlichen Degradierung von Dreyfus zum neuen Chef des Auslandsgeheimdienstes befördert, stößt er auf den wahren Verräter und wird sich seiner eigenen Verstrickung in den Machtapparat bewusst. Doch die Wahrheit stößt nicht unbedingt auf Gegenliebe bei Militär und Politik.

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Harris hat sein Buch auf der Basis umfangreicher Recherchen geschrieben, nicht nur zahlreicher Bücher über die Dreyfus-Affäre, sondern auch literarischer Werke der Epoche und nicht zuletzt vielen erst jetzt freigegebenen Dokumenten. So lässt Harris eine ganze Epoche lebendig werden: Die technische Weiterentwicklung der Spionage steht noch in den in den Anfängen. Die Fotografie erweist sich als hilfreich, aber Briefe müssen noch von Hand abgeschrieben werden. In den Intrigen hinter den Kulissen lassen sich aber durchaus auch Züge der Gegenwart erkennen. Spannung und Aufklärung gehen so eine fruchtbare Verbindung ein.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Lesenswert

Robert Harris: „Intrige“ aus dem Englischen von Wolfgang Müller. Heyne Verlag, 622 Seiten, 22,99 Ђ

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