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Roger Smith: „Staubige Hölle“

kapstadtGegen das Südafrika, von dem Roger Smith in seinem neuen Krimi „Staubige Hölle“ erzählt, erscheint Dantes Inferno beinahe wie ein lauschiges Plätzchen. Bereits mit seinen ersten beiden Romanen „Kap der Finsternis“ und „Blutiges Erwachen“ machte der 1960 geborene Bestsellerautor aus Kapstadt klar, dass er zu den härtesten Krimi-Schreibern gehört, die derzeit auf dem Markt sind.

Wieder dringt das Grauen mit einem furchtbaren Schlag ins Leben weißer Südafrikaner ein. Robert Dell ist mit seiner Familie auf dem Heimweg, als sein Wagen von einem Truck gerammt wird und am Grunde eines Abhangs explodiert. Er selbst wird aus dem Autofenster geschleudert und überlebt, seine Frau und seine Kinder sterben in den Flammen. Doch Dell hat keine Zeit zu trauern. Plötzlich steht er unter Mordverdacht. Für den Journalisten und ehemaligen Apartheid-Gegner beginnt ein Höllentrip, bei dem ihm ausgerechnet sein soeben aus dem Knast entlassener Vater, ein Ex-CIA-Killer und überzeugter Rassist, als einziger Verbündeter zur Seite steht. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder von Dells Familie.

Roger Smith, der als Drehbuchautor mit dem Schreiben begann, wechselt in kurzen Kapiteln filmschnittartig die Perspektiven und Schauplätze. Parallel zu Dells Rachefeldzug, bei dem ein Komplott in höchsten Regierungskreisen aufgedeckt wird, erfährt der Leser vom Schicksal eines jungen Zulumädchens, das als Kind zusehen musste, wie ihre Eltern ermordet wurden, und nun deren Killer heiraten soll. Dieser, ein skrupelloser Zulu, der seine grausamen Untaten mit erschreckender Teilnahmslosigkeit verrichtet, ist der Meinung, er würde von Aids geheilt, wenn er mit einer Jungfrau schläft. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit dem sexsüchtigen Disaster Zondi, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird und sich auf die Reise in seine Heimat „Zululand“ begibt. Dort wird gerade eine blutige Fehde zwischen rivalisierenden Taxiunternehmen ausgetragen.

Temporeich forciert Smith seine Handlung bis zum infernalischen Showdown und beschreibt einmal mehr die Brutalität einer durch Armut und Rassenhass aus den Fugen geratenen Gesellschaft.               

Text: Ralph Gerstenberg

Foto: DigiPyramid/pixelio.de

tip-Bewertung: Lesenswert

Roger Smith: „Staubige Hölle“ Tropen bei Klett-Cotta, 330 Seiten, 19,95 Ђ

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