Kommentar

„Rückzüge“ von Erik Heier

In der DDR wurden, wenn Staatsmänner überraschend zurücktraten, gern gesundheitliche Gründe angeführt. Die wahren Gründe waren meist andere

Erik Heier

Denn dass die Herren nicht mehr ganz gesund waren, konnte man längst an ihrem Alter erkennen. Der freiwillige Rücktritt ist seitdem nicht freiwilliger geworden. Zum Beispiel löste der plötzliche Rückzug des „Bild“-Herausgebers Kai Diekmann kürzlich große Verwunderung aus. Kurz danach wurde bekannt, dass die Potsdamer Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, weil er angeblich eine Mitarbeiterin sexuell belästigt hat. Natürlich gilt selbst für Ex-„Bild“-Chefs die Unschuldsvermutung. Außerdem hat Diekmanns Gattin Katja Kessler letztes Jahr ein Buch auf ihre glückliche Ehe geschrieben. Das Fachblatt für glückliche Ehen, die „Gala“, paraphrasierte Frau Kessler mit dem organergreifenden Satz: „Sie würde ihrem Mann Kai Diekmann eine Niere spenden“. Jetzt verlässt Maxim Biller überraschend das „Literarische Quartett“, angeblich, um wieder mehr zu ­schreiben. Dabei hat er doch gerade erst seinen fast 900-seitigen Roman „Biografie“ herausgebracht. Aber wir wollen ja nicht spekulieren. Außer darüber, wer Biller ersetzt. Am 30. Januar ist zum Beispiel Frank Goosen mit seiner Literatur-Late-Night-Show „Goosens Neue Bücher“ erstmals in Berlin, im Zebrano Theater sind Schriftstellerin Zoe Beck und „11 Freunde“-Redakteur Jens Kirschneck dabei. Goosen ist nicht so wunderbar kotzbrockig wie Biller. Aber sonst sehr lustig. Vielleicht hat ja einer vom ZDF Zeit.

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