Kommentar

„Scheißtage“ von Erik Heier

Es gibt diese Tage. Mit falschem Bein aufstehen, in der Dusche ausrutschen, Knie blutet, Haare stehen ab, Kaffee ist alle, Brot hart, Milch sauer, Partner weg, Schnürsenkel reißt, Flurlicht ist kaputt, Bus fällt aus, Bahn ist voll, Wegbiertrinker hat Schluckauf, Monatskarte steckt in der anderen Jacke, U-Bahn-Kontrolleur grinst kalt, Union entlässt Keller, Kotti ist Kotti, Hagel fällt, Schirm liegt daheim, Trump twittert. Scheißtage eben.

Erik Heier

So oder so ähnlich. Manchen hilft dann, wenn ihnen jemand die Hand auf die Schulter legt und sanft sagt: „Alles nicht so schlimm.“ Ich bin aber eher ein Fan einer anderen Option: „Hätte schlimmer kommen können.“ Für diese gesunde Einstellung kann man beispielsweise Volker Heises Debütroman „Außer Kon­trolle“ (Rowohlt Berlin) hinzuziehen. Der Filmemacher („24 h Berlin – Ein Tag im Leben“) dekliniert in großartig knappen, wahrhaft filmischen Sätzen den für ein paar Großstadtmenschen desaströsen Verlauf eines stinknormalen Berliner Abends durch. Ein Mann will seine Geliebte in einem Restaurant weit über seinen Verhältnissen überzeugen, nicht zurück zu ihrem Verlobten zu ziehen. Der Chef des Edelrestaurants steht kurz vor der Pleite. Ein Polizist bekommt, ­während sein Chef seine von ihm getrennte Frau vögelt, einen ­nerv­tötenden Kollegen für die Streifenfahrt zugeteilt. Und dann übernimmt Murphy’s Law auf die harte Tour: Was eskalieren kann, eskaliert. Und die Polizisten-Ex sagt: „Wir führen alle kein Leben. Es passiert uns nur.“ Ich finde diesen Satz irgendwie sehr tröstlich. Scheißtage, ihr könnt kommen.

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