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„Schwabylon Berlin“ – Asterix berlinert! – Übersetzt von Martin „Gotti“ Gottschild

Es ist das dritte Mal, das Asterix berlinert. Diesmal macht Martin „Gotti“ Gottschild aus dem schlechten Asterix-Album „Gallien in Gefahr“ einen lesenswerten Spaß – als drittem Band in Berliner Mundart. In „Schwabylon Berlin“, so der „Berliner“ Titel, wurden schon mal die Originaltexte verbessert.

In Galien wird berlinert, man wähnt Asterix & Co. an der Spree. Es funktioniert! Foto: ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2021 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO / ASTERIX®
In Galien wird berlinert, man wähnt Asterix & Co. an der Spree. Es funktioniert! Foto: ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2021 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY – UDERZO / ASTERIX®

Es kann da eigentlich keine zwei Meinungen geben: „Gallien in Gefahr“, im Jahr 2005 als 33. Album der Reihe „Asterix“ erschienen, ist eine Gurke! Der damals 78-jährige Albert Uderzo war am Ende seiner Karriere angelangt. Zeichnerisch hatte er den Stift schon lange an die durchaus kompetenten Brüder Frédéric und Thierry Mébarki abgegeben, aber auch ­storytechnisch fiel ihm nur noch wenig mehr ein, als eine mysogyne Warnung vor schädlichen Fremdeinflüssen – amerikanische und japanische Comics – auf die französische Kultur. Nein, wer Asterix ­liebte, der lehnte diesen Tiefpunkt der ­gallischen Comicgeschichte einfach ab: „Alesia? Ich kenne kein Alesia!“

Gottschild für Asterix: Dieter Hallervordens Nachfolge

Keine leichte Aufgabe für Martin „Gotti“ Gottschild, der vom Verlag dazu erkoren wurde, ausgerechnet dieses Album als dritten Band in den Berliner Dialekt (jaha, Berlinerisch ist kein Dia-, sondern ein Soziolekt, das wissen wir hier in der Redaktion auch) zu übersetzen. Damit trat Gotti auch die Nachfolge des großen Dieter Hallervorden an, dessen „Asterix und det Pyramidenluda“ derweil 19 Jahre auf dem Buchrücken hat. Aber: eine Aufgabe, die Gotti ebenso charmant wie respektvoll gelungen ist.

Mehr noch: Gottis neue Texte haben aus einem schrecklich unkomischen ­Comic einen echten Schenkelklopfer ­gemacht. Plötzlich brummt der ganze Band von popkulturellen Anspielungen und Witzen: „Aba flieg nich so hoch, mein kleina Freund“ etwa. Oder Dialog „Zua Strafe jibs Kartn füa die Volsbühne!“ – „Hoffentlich läuft nicht wieda die Fünf-Stunden-Version von ‚Verratenes Volk‘!“ Na gut, bei Licht besehen macht Gotti hier bei „seinem“ Asterix auch nichts anderes als beim grandiosen „Sandmann für Erwachsene“, der auf den rbb-Webseiten steht: Er verwandelt Geschichten, die einmal durchaus ernst gemeint waren, in puren Nonsens. Aber gerade im Fall des Asterix-Albums stellt dieser Nonsens doch eine große Verbesserung dar.

Foto: Egmont Comic Collection

Asterix: Eigentlich kann man „Gotti“ kein größeres Kompliment machen

Und schließlich stellt sich Gotti damit auch in eine bemerkenswerte Tradition. Die großen Übersetzer Adolf Kabatek (Asterix) und Erika Fuchs (Donald und Dagobert Duck) haben auf die heutzutage übliche wortwörtliche Übersetzung gepfiffen. Für einen guten Gag haben sie auch schon mal die Originaltexte „verbessert“. Wichtiger war es, den Geist des Autoren einzufangen. Eigentlich kann man „Gotti“ kein größeres Kompliment machen, als dieses: „Schwabylon Berlin“ liest sich, als wäre es vom alten Asterix-Autoren René Goscinny geschrieben.

Asterix Mundart: Asterix berlinert 3 – Schwabylon Berlin von Albert Uderzo, Übersetzung: Klaus Jöken und Martin „Gotti“ Gottschild, Egmont Ehapa, 49 Seiten, 14 €


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