Kommentar

„Shit-Detector“ von Erik Heier

Als der Schriftsteller Maxim Biller vor nun auch schon knapp zwei Jahrzehnten den Rundumschlag  von der „Schlappschwanzliteratur“ prägte, war Viagra erst zwei Jahre auf dem Markt, aber gegen Billers Verdikt von der Literatur ohne Moral, ohne Gegnerschaft, ohne Hass ist sowieso kein Kraut gewachsen

Erik Heier

Seither schreibt sich immer mal wieder irgendwer an irgendwelchen Wohlstandsliteraten ab. Vor ein paar Jahren keilte Florian Kessler gegen die Absolventen der Schreibschulen in Hildesheim und Leipzig aus. Und als Fabian Hischmann 2014 für den Leipziger Buchpreis nominiert war, bekam er wenig Lob, dafür aber auf die Fresse. Die 1984 geborene Lyrikerin Maren Kames, die in Berlin lebt, ist dagegen nicht nur qua Geschlecht jeglicher Schlappschwanzliteratur unverdächtig. Sie hat gerade für die Hildesheimer Anthologie „Landpartie“ den Text „Souveränität am Arsch“ geschrieben, der dort dann doch nicht erschien, aber im Netz steht: „Werdet niemals großkotzig, nicht im Schreiben. Kultiviert eure Neurosen, Befindlichkeiten, Sperenzchen. Aber werdet nicht affig“. Hildesheim tauge nicht zum Schreibenlernen. Aber dafür als „Arschlochverhinderungsanstalt“. Dafür wären die Textdebatten, die dort „Shit Detector“ heißen, super. Neulich beklagte sich Biller ein Jahr nach Erscheinen seines Buchs „Biografie“ in der „Zeit“ darüber, Kritiker könnten mit Büchern eines zeitgenössischen deutsch-jüdischen Autors nicht vorurteilsfrei umgehen. Dass etwa Olga Grjasnowa oder auch Kat Kaufmann viel gelobt wurden, ist ihm da wohl entgangen. Vielleicht muss Biller mal nach Hildesheim.

Mehr über Cookies erfahren