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Simon Urban: „Plan D“

Palastder_RepublikÜber dem Palast der Republik wachsen Säulen eines Lichtdomes in den Himmel. Der Trabi-Nachfolger Phobos verpestet mit Rapsöl die Magistralen. Der VEB-Telemedien wirbt für Tarife seines neuen Mobiltelefones „Minsk“ mit dem Slogan „Jetzt haben Sie Redefreiheit“. Simon Urban kommt aus Hagen. Aus dem Westen. Als die Mauer fiel, war er 14. In seinem Debütroman „Plan D“ aber lässt er die DDR  auferstehen. Staatsratsvorsitzender ist im 22. Jahr Egon Krenz, der die Mauer wieder schließen ließ, weil einfach zu viele rübermachten. Gespräche mit Bundeskanzler Oskar Lafontaine stehen an. Da baumelt plötzlich ein ehemaliger Berater von Krenz erhängt an einer Gasleitung. Während der „Wiederbelebung“ 1991 hat er den „Plan D“ erarbeitet. „Grenzöffnung, sukzessiver Abbau der Staatssicherheit, Verzicht auf politische Restriktionen und Zensur, Einführung eines echten Parlamentarismus.“ Hauptmann Martin Wegener von der Kripo Köpenick übernimmt die Ermittlungen. Handelt es sich um einen Sühnemord der Stasi? Wollen ihr militante Bürgerrechtler ein Verbrechen anhängen? Oder steckt ein Ökostromkombinat dahinter? Die grenzenlose Fantasie, mit der Urban sich die Zukunft der DDR ausmalt, ist durch keinen Antiimperialistischen Schutzwall zu bändigen. Bis zu Bionier-Brause-Plakaten auf der Homepage designt der als Texter für Jung von Matt tätige Autor seine trashige Romanwelt durch. Nicht selten aber geht die Fabulierlust mit ihm durch. Ein guter Lektor hätte ohne Verlust 200 Seiten gestrichen.

Text: Welf Grombacher

tip-Bewertung: Annehmbar

Foto: Norbert Michalke / tip Bildarchiv

Simon Urban: „Plan D“ Schöffling & Co., 552 Seiten, 24,95? Euro

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