Bücher

„Smalltalk“ von Erik Heier

Erik Heier
Der Buchautor Alexander von Schönburg hat ein Buch über „Smalltalk. Die Kunst des stilvollen Mitredens“ geschrieben. Einer seiner Ratschläge lautet: „Man sollte (…) alles behaupten und jede Position halbwegs geistreich vertreten können.“ Der Satz fiel mir ein, als ich kürzlich bei einem Presseabend des Verlages Klett-Cotta in einem Kreuzberger Restaurant zufällig dem Schriftsteller Tom Drury gegenübersaß. Drury gilt in den USA als einer der großen zeitgenössischen Autoren, er ist derzeit Gast der American Academy am Wannsee. Sein Roman „Das stille Land“ (im Original von 2006) erscheint jetzt auch bei uns. Ich hatte bis dahin vom Mann aus Iowa noch nie gehört und keine Ahnung, worüber ich mit ihm reden sollte. Er schien freundlich zu sein. Aber auch nicht so der Plauder-Typ. Ich grübelte. Er sah zu mir herüber. Ich dachte: Jetzt. Smalltalk. Irgendwas. Mir fiel von Schönburgs Rat ein. Behauptung. Jede Position. Halbwegs geistreich. Also behauptete ich mal was. Es ging um Touristen, die Mauer, den Führerbunker, John Cleese. Don’t mention the war. Irgend­eine komplett bekloppte Spontanbehauptung, was Amerikaner und Briten nach Berlin zieht. Drury sah mich an: „Really?“ Dann erstarb das Gespräch. Das reinste Desaster. Alexander von Schönburg hat übrigens am 2. Februar in der Bar jeder Vernunft sein Buch vorgestellt, Jörg Thadeusz war dabei. Ich nicht. Ich wäre nur neidisch. Der Smalltalk-Neid.

Text: Erik Heier

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