Bücher

Smoke smoke smoke that Cigarette

Alles ist gesagt, möchte man meinen, wenn’s ums Rauchen geht beziehungsweise ums Nichtrauchen oder ums Dochwiederrauchen und dafür Nichtessen. Raucher sind verantwortungslos und asozial, Nichtraucher humorlos und penetrant. Man kennt die Argumente und die Verbissenheit, mit der sie ausgetauscht werden. Braucht man da noch eine Anthologie, die „Satirisches dazu verzapft“?

Smoke Smoke Smoke that Cigarette“ heißt das Buch, das die Frage aufwirft. Herausgegeben wurde es von dem Raucher Franz Dobler und dem Ex-Raucher Klaus Bittermann. „Eine Verherrlichung des Rauchens“ soll es sein. Eine Lobpreisung der Verführungskraft rauchender Frauen ist es zugleich. Klaus Bittermann erinnert in seiner „Sozialgeschichte einer Muse“ an die großen Raucherinnen der Filmgeschichte: Lauren Bacall, Marlene Dietrich, Rita Hayworth, „die mehr für die Emanzipation der Frau getan“ hätten „als die gesamte Frauenbewegung“. Wiglaf Droste erklärt anschließend: „Rauchende Frauen versetzen Männer in intellektuelle Raserei.“ Und Franz Dobler porträtiert eine Frau, die abends am liebsten ein rotes Kleid trägt, weil eine Zigarette dazu besonders gut aussieht.

Rauchende Frauen selbst sind unter den rauchende Frauen verehrenden Männern eindeutig in der Minderzahl. Françoise Cactus macht ihrem Ärger über Amerikanisierung und staatliche Bevormundung Luft, Jenny Zylka erzählt von „Lindemanns Mutter“, die auch mit Y-Bypass im Raucherbein noch an ihren Lord Extra festhält, und Sarah Schmidt schimpft über die Nichtraucher, die „Idioten“.

Die besseren Texte des Bandes sind keine Pamphlete, sondern erzählen Geschichten. In Rayk Wielands „Drinnen vor der Tür“ hält ein Raucher am Tag der Maueröffnung die Belegschaft einer Ostberliner Bar mit einer kubanischen Zigarre in Schach, in Ambros Waibels „Projekt Wimmermann“ resümiert der sich hemmungslos an den Kippen des Erzählers bedienende Wimmermann klassenkämpferisch: „Da die Unterdrückten lächerlich machtlos seien, müsse man sie nicht mehr betäuben, man verbiete ihnen im Gegenteil jede Linderung der Schmerzen.“

Manchmal entwickelt „Smoke Smoke Smoke that Cigarette“ den Charme einer Rauch gesättigten Bar um Mitternacht, manchmal den eines überquellenden Aschenbechers am Tag danach. Am besten liest sich der hübsch illustrierte Band, wenn nicht nur die Seiten, sondern auch der Tabak knistert.

Text: Ralph Gerstenberg

Klaus Bittermann & Franz Dobler
(Hg.) „Smoke Smoke Smoke that Cigarette – eine Verherrlichung des Rauchens“, Edition Tiamat, 224 Seiten, 15 Euro.

 

Mehr über Cookies erfahren