Bücher

Sommerbücher für den Strand

Floethmann„Grimms Märchen ohne Worte“
„In der Grafik sieht man übrigens Rotkäppchen“. Mit Reduktion aufs Wesentliche. „Es war einmal …“, „… wenn sie nicht gestorben sind …“ – viel zu viel Gesülze. Braucht doch kein Mensch, das. So ungefähr lässt sich die brillante Idee des Berliner Zeichners Frank Flöthmann fassen, im Grimm-Jahr 16 Märchen einfach ohne Text mit klugen, verblüffenden Piktogrammen umzusetzen. Das ist alles ganz logisch. Dabei hilft aber, das Märchen bereits zu kennen. Mit Worten. Text: Erik Heier

Frank Flöthmann: „Grimms Märchen ohne Worte“ Dumont, 86 Seiten, 16,99 Ђ

 

 

Ruge_Cabo_de_Gata„Cabo De Gata“
Andalusien. Für den in der DDR sozialisierten Schriftsteller in Eugen Ruges Roman war das lange nur ein Märchenort. Bis er ihn nach dem Mauerfall auf der Wetterkarte entdeckt. Sonne hat er auch nötig. Er, der fliehen will vor den immer gleichen Stunden am Schreibtisch und der eisernen Disziplin, die er vom Vater geerbt hat. Und so reist er an jenes Kap der Katzen, von dem im Reiseführer steht, es sei „das letzte romantische Fischerdorf“. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Landschaft gleicht einem Müllabladeplatz. Auch der Roman, an dem er schreibt, will nicht gelingen. Bis der Protagonist einer Katze begegnet und von ihr das Loslassen lernt. „Dass nämlich das, worauf ich hoffe, nicht eintreten wird – und zwar, weil ich darauf hoffe.“ Nach dem famosen Romandebüt „In Zeiten des abnehmenden Lichtes“ (2011), für das er den Deutschen Buchpreis bekam, hat Eugen Ruge nun eine wunderbar klare Novelle über die Selbstfindung eines Schriftstellers geschrieben. Durchaus autobiografisch. Ganz und gar unpolitisch. Es geht ums Sein und Seinlassen. Während der Lektüre muss man an Hermann Hesse denken. Ein leichter Roman über schwere Stunden. Text: Welf Grombacher

Eugen Ruge: „Cabo De Gata“ Rowohlt, 204 S., 19,95 Ђ

 

 

segal_arglosen„Die Arglosen“
Um eine Frage gleich mal zu beantworten: Ja, Francesca ist die Tochter von Erich Segal, dem Autor der „Love Story“. Mit dem Bestseller ihres Vaters hat ihr Debüt aber nichts zu tun. Dafür mit einem anderen berühmten Buch. Adam New­man, ein 28-jähriger Anwalt, der im Nordwesten von London lebt, ist glücklich verlobt und will seine Sandkistenliebe Rachel Gilbert, eine kreuzbrave und bodenständige Jüdin, lieber früher als später heiraten. Ihr zuliebe lässt er sich auch auf all die religiösen ­Formalitäten ein, auf die ihre Familie besteht. Doch da taucht Rachels amerikanische Cousine Ellie Schneider auf, eine so hübsche wie verruchte 22-Jährige, die Adam mächtig den Kopf verdreht. Und mächtig in Schwierigkeiten bringt. 
Wem die Geschichte irgendwie ­bekannt vorkommt: Die 32-jährige Britin, die in Harvard und Oxford studierte und bisher als Kritikerin arbeitete, hat sich Edith Whartons Klassiker „Zeit der Unschuld“ aus dem Jahr 1920 zum Vorbild genommen und die Handlung aus dem New York des 19. Jahrhunderts in den Londoner Vorort Hampstead Garden Suburb von heute verlegt. Text: Reinhard Helling

Francesca Segal: „Die Arglosen“ aus dem Englischen von Verena Kilchling, Kein & Aber, 432 S., 22,90 Ђ

 

 

ezra_pound„ABC des Lesens“
Das „ABC des Lesens“ ist eigentlich ein Oldtimer. Ezra Pound hat das Buch bereits 1934 verfasst. „Zutiefst beglückend“ nennt es der Arche Verlag im Lichte der von Eva Hesse trefflich übersetzten Neuauflage. Ob es sich wirklich so ­verhält oder anders, hängt davon ab, wie gut man den Exzentriker Pound kennt und zu nehmen weiß. Denn leicht ist seine Anleitung zum Lesen, insbesondere von Lyrik, nicht unbedingt. Eher eigenwillig, verschlungen gar. Aber auch anekdotenreich und lustig. Voller Anspielungen, Analogiebildungen und mit einer Prise Angriffslust. Da bekommen bornierte Akademiker ebenso ihr Fett weg wie bornierte Redakteure. Überhaupt Besserwisser aller Art. Am Ende aber steht die Lehre. Die Lehre von dem, was große Literatur ausmacht und, ebenso groß, die richtige Lektüre. Passend dazu erstellt Pound, hier ganz auf den Spuren antiker Vorbilder wandelnd, eine Lesestoff­liste dessen, was ein guter Leser als Minimum kennen muss, „wenn er den Wert eines neuen Werkes erkennen möchte“. Pound – ein Oldtimer also. Aber warum nicht mit einem Oldtimer die Sommermonate durchfahren? Denn darin liegt doch ein ganz eigener Reiz. Text: Andreas Burkhardt

Ezra Pound: „ABC des Lesens“ Aus dem Englischen von Eva Hesse, Arche, 138 S., 14,95 Ђ

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