Kommentar

„Spuren“ von Erik Heier

Wir hinterlassen überall Spuren im Netz. Digitale Fußabdrücke im Treibsand des World Wide Irrsinns.

Erik Heier

Jeder kann ihnen folgen.  Seine Schlüsse daraus ziehen, die nicht meine sind. Ich bin nicht paranoid, ich wundere mich nur. Aus meinem disparaten Surfverhalten ein Persönlichkeitsprofil erstellen zu müssen, wünsche ich nicht mal den unsympathischsten  Risikoprüfknechten tief in den düsteren Katakomben meines Krankenversicherungskonzerns.  Aber ich verborge auch Freunden und Verwandten ungern meinen Laptop. Das liegt zum Beispiel an den Buchkaufangeboten, die mir die Suchmaschine meines Unvertrauens immer wieder anbietet. Neulich waren das „Ich bin nicht süß, ich habe bloß Zucker“ von der „Twitter-Oma“ Renate Bergmann, „Herr der Fliegen“ von William Golding, „Über Suizid. Ein Berlin-Buch“ von mehreren Herausgebern und „In achtzig Jahren um die Welt“ von Bud Spencer. Fast alle Bücher haben mich beruflich beschäftigt, und Bud Spencer, der gerade gestorben ist, war ein Held meiner Kindheit. Wir hatten auch einen ähnlichen Essensgeschmack. Eine Autorin, die mir die Suchmaschine bislang nicht empfahl, ist Sharon Dodua Otoo, eine afrikanischstämmige, gebürtige Londonerin, die als Publizistin und Aktivistin aus Berlin gerade mit „Herr Gröttrup setzt sich hin“ in Klagenfurt den Bachmannpreis gewonnen hat. Jetzt will sie daraus einen Roman machen, ihren ersten. Eines Tages wird mir ihr Buch im Internet angezeigt werden, ganz sicher. Es wird nicht leichter für die Datenknechte. Da müssen sie durch.

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