Bücher

"Star Wars für Perverse" aus dem Hause Image

Saga von Brian K. Vaughan und Fiona Staples

Eric Stephenson, der Chef des Comicverlags Image, hat ein Ziel: "Wir wollen der erfolgreichste Verlag in den USA werden." Könnte klappen, denn die Superhelden-Konkurrenz ist nur noch mit den Kino-Universen beschäftigt, lesen kann man das Zeugs schon lange nicht mehr. Und Kleinverlage stellen sich thematisch nicht so breit auf, wie die Rebellen von Image. Denn das war Image bei seiner Gründung 1992: eine Rebellion gegen die Großen. Leider kam da in den ersten Jahren nichts Inhaltliches raus, der Verlag versammelte fast ausschließlich Poster-Künstler um sich: sah gut aus, aber inhaltlich war das so doof wie 100 Meter Wäscheleine. Das hat sich nun gründlich geändert: Wohl kein anderer Verlag  bietet eine solche Vielfalt an unterschiedlichen Comics. Diese Welle schwappt nun auch nach Deutschland.
Allen voran die vielfach ausgezeichnete SciFi-Serie "Saga“ (Abbildung, fünf Eisner-Preise, sechs Harveys), vom Autoren Brian K. Vaughn gerne als "Star Wars für Perverse" bezeichnet. Die "Saga“-Zeichnerin Fiona Staples wurde unlängst von der Webseite comicbookresources.com zur besten Künstlerin der USA gekürt: "Ihr Sinn für Design ist tadellos, ihr Stil ist einzigartig und ihre Erzählkunst einfach nur Spitze.“
Starke Frauen als Figuren zu erschaffen, das ist seit Jahren das Markenzeichen des Krimi-Autoren Greg Rucka. Mit seiner neuen Serie "Lazarus" hat er sich selbst übertroffen. Eine nicht allzu ferne Zukunft im Kapitalismus. Es gibt keine Länder mehr, nur noch Firmen in Familienbesitz. Angeführt werden die Konzernarmeen von Lazari, genetisch veränderten Supersoldaten. Rucka und Michael Lark – dessen düstere Zeichnungen gewöhnungsbedürftig sind – erzählen die Geschichte des weiblichen Lazarus Forever Carlyle wie eine Mischung aus Familienroman und Kriegsbericht. Schade nur, dass in der deutschen Fassung das umfangreiche Zusatzmaterial (Zeitlinien, Familiengeschichten, gefälschte Werbeanzeigen) fehlt, das Rucka in jedes US-Heft integriert.
Auch Ruckas alter Autorenkumpel Ed Brubaker hat gerade eine weibliche Hauptfigur erschaffen: Sein Agententhriller "Velvet“ liest sich, als hätte Miss Moneypenny die Hauptrolle bei Bond übernommen. Das kommt zwar nicht an Brubakers Pulp-Großwerk "Fatale" heran, in dem er Lovecraft mit Chandler mischt, ist aber mit Sicherheit spannender, als jeder Superheldencomic.

Text: Lutz Göllner

Foto: Brian K. Vaughan & Fiona Staples/ Cross-Cult

Saga von Brian K. Vaughan und Fiona Staples, Cross-Cult, bisher fünf Bände, je 144 S., je 22 Euro
Lazarus von Greg Rucka und Michael Lark, Splitter, bisher zwei Bände, je 130 Seiten, je 19,80 Euro
Velvet von Ed Brubaker und Steve Epting, Dani Books, bisher zwei Bände, je 128 Seiten, je 16,99 Euro

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