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Stefan Ferdinand Etgeton: Rucksackkometen

Rucksackkometen

Doch an der Uni gammelt er nur rum, bis man ihn rauswirft. Volontär bei einem Magazin bleibt er auch nur, bis die das gar nicht lustig finden, dass er kürzlich im Gefängnis war. Zeit auf Tour zu gehen: Über den Balkan trampt Fiete mit Best-Buddy Jan Spille. Hinaus in die weite Welt oder mindestens nach Südeuropa, wie der Eichendorff’sche Taugenichts. Doch das dritte Jahrtausend ist eben noch viel beschädigter als die düsternde Welt der Spätromantiker: 120 Euro blechen die Jungs, um ins Pompeji der 80er zu ziehen – Tschernobyl.
Bei all dem Schrott, der Freude auf den Weltuntergang macht, klingen inmitten des schnoddrigen Poetry-Slam-Tons Passagen an, die am Feel-Good-Pathos nur knapp vorbeischrammen: „und wir saßen auf parkbänken manchmal und fühlten uns wie kometen, die gerade ineinander einschlagen, und dann glüht es erstmal ordentlich, und jeder weiß, was irgendwann folgt, aber solange wir noch glühen, schau ich in ihre tiefen augen und fall da hinein und lass mich umhüllen von ihrer strahlenden unangespanntheit und tiefenhoffnung.“
Etgeton, Jahrgang 1988, der sich einen Namen gemacht hat als passionierter Performer, hat uns mit seinem Debütroman „Rucksackkometen“ einen Text geschenkt, den man nicht brav mit Leseleuchte vorlesen kann. Er beherrscht alle Lagen des Lichts – vom zarten Morgendämmer bis zur Haudrauf-Supernova. Wer diesen Sommer seinen Rucksack packt, der sollte Etgeton nicht vergessen.

Text: Stefan Hochgesand

Rucksackkometen von Stefan Ferdinand Etgeton, C.?H. Beck, 271 S., 19,95 Euro

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