Bücher

Teil Zwei: Sommerbücher für den Strand

/schlecht_aufgelegt„Schlecht aufgelegt“
Wenn schon Klischees, dann volle Kanne. Mit Call-Center-Agenten in Berlin, deren Scheißjobs, man argwöhnt es, jede Psyche verwüsten. Einer davon, Paul, kommt inmitten seines selbstverständlich nur vorläufigen Lebensversagertums als dermaßen dauerschlecht gelaunter Trennungsvater daher, wie man ihn sich eben am Schreibtisch zusammenreimt, wenn einem einfach kein normalkomplexer Charakter einfällt. Dann der Center-Neue: Kuli, die konsequent zu nette Nervensäge. Eines Tages ruft bei Paul eine junge Frau an, in Panik, die bald darauf tot ist. Unter Verdacht: ihr Lover, ein gutmenschlicher Bürgermeisterkandidat mit Brachial-Libido, den zu erpressen sich für Paul und Kuli schnell als idiotische Idee erweist. So, ja, dann. Aber das Wunder geschieht. Sven Stricker, mehrfacher Gewinner des Deutschen Hörbuchpreises, in Potsdam lebend, gelingt es in seinem Debütroman, diesen und weiteren prototypisch minderdimensionalen Knalltüten richtig Leben einzugeben. Natürlich ist das ein erheblicher Jungsroman im Pointen-Vollrausch. Aber einer, der kuriose Haken schlägt, der richtig Spaß macht. Kein Philip Roth. Aber auch kein Mario Barth. Text: Erik Heier

Sven Stricker: „Schlecht aufgelegt“ Rowohlt Polaris, 320 S., 13,99 Ђ

 

die_bestien„Die Bestien von Belfast“
Sam Millars Autobiografie hätte das Zeug zu einem Bestseller. 1955 in Belfast geboren, schloss er sich der IRA an, verbrachte in den Siebzigern acht Jahre im Gefängnis, ging nach seiner Entlassung in die USA, wo er 1993 als Mastermind an einem Raubüberfall beteiligt war, bei dem insgesamt über sieben Millionen Dollar erbeutet wurden. Millar wurde gefasst, inhaftiert und vorzeitig entlassen. Danach kehrte er zurück nach Belfast und wurde erfolgreicher Krimiautor. Aus seinem Faible fürs Hardboiled-Genre macht Millar keinen Hehl, zitiert Chandler gleich am Anfang und pflegt dessen Sinn für Absurditäten: „Ihre falschen Zähne wirkten als Einziges echt an ihr.“ Millars Serienfigur Karl Kane betreibt ein Detektivbüro in Belfast. Der finanziell und sexuell stark geforderte Ermittler – seine äußerst attraktive Sekretärin ist praktischerweise auch seine Geliebte – kriegt es in seinem ersten Fall mit brutalen Serienmorden zu tun. Ein Rache­feldzug, dessen Vorgeschichte weit in die Vergangenheit zurückreicht. Ein schnörkelloses, lakonisches Buch ohne Angst vor Klischees – geschrieben von jemandem, der etwas von Verbrechen versteht. Text: Ralph Gerstenberg

Sam Millar: „Die Bestien von Belfast“ Deutsch von Joachim Körber, Atrium Verlag, 286 S., 16,95 Ђ

 

derachtebeauftragte„Der achte Beauftragte“
Schon in Thomas Manns „Der Tod in Venedig“ fing alles auf einer Adria-Insel an. Der kroatische Schriftsteller Renato Baretic, 1963 in Zagreb geboren, hat zu den mehr als 1?000 existierenden Inseln seiner Heimat noch eine hinzuerfunden: Drittchen. Eine Insel wie aus der Zeit gefallen. Keine Telefone, kein Internet, kaum Technik. Und mit merkwürdigen Menschen, die mit dem Rest der Welt nichts zu tun haben wollen. Eine Parabel auf den EU-Beitritt Kroatiens? Oder ein Beitrag zum zivilen Ungehorsam? Oder einfach nur eine neue Robinsonade? Um das zu klären, muss sich der Leser auf die Reise machen durch diese jede Menge frische Meeresluft atmende Satire. Auf eine Reise mit dem wegen einer Rotlichtaffäre in die Schlagzeilen geratenen Jung­politiker Siniљa Mesnjak, der auf dem autarken Eiland demokratische Strukturen installieren soll. Mesnjak ist nicht der Erste, den die Regierung in Zagreb mit diesem Job beauftragt. Bereits sieben seiner Kollegen sind daran gescheitert, denn die Insulaner, meist alte Bergwerksleute im Ruhestand mit teilweise zwielichtigen Verbindungen, haben gute Gründe, sich nicht vor den politischen Karren spannen zu lassen. Text: Andreas Burkhardt

Renato Baretic: „Der achte Beauftragte“ Aus dem Kroatischen von Alida Bremer, Dittrich, 320 S. 19,80 Ђ 

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