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Tip-Literaturredakteur Erik Heier kommentiert: Abstand

Erik Heier kommentiert

War das Jahr 2014 ein gutes Jahr für die Literatur? Das überlege ich mir in ungefähr fünf Jahren noch mal. Man braucht einfach Abstand. Es ist so wie bei Fußballern direkt nach dem Spiel. Die müssen auch erst ?mal runterkommen. Andern­falls pampen die zurück: „Wat wollnse von mir?“ 2019 kann ich dann vielleicht auch sagen, ob Dave Eggers „Der Circle“ nun doch als treffende Analyse des „digitalen Totalitarismus 2.0“ (Ijoma Mangold in der „Zeit“) von bleibendem Wert ist, auch wenn er sich literarisch in einem sehr engen Kreis dreht. Und ob ich den logischen Gewinner ?des Deutschen Buchpreises, Lutz Seilers Romandebüt „Kruso“, dann immer noch uneingeschränkt empfehle. ?Man wird sehen. Aber selbst mit der Gnade der Kurzfristigkeit betrachtet werden einige Bücher von diesem Jahr bleiben. Karen Köhlers Geschichtensammlung „Wir haben Raketen geangelt“ lobe ich bei jeder Gelegenheit. Thomas Melles „3?000 Euro“ über zwei Verlorene ist von präziser Kälte, die auf eigentümliche Weise berührt. Bei Peter Wawerzinek freue ich mich immer, wenn ein neues Buch erscheint, weil seine Lesungen von hohem Unterhaltungswert sind und weil er in „Schluck­specht“ so viele alkoholische Konsumvorschläge unterbreitet. Viele Bücher liegen noch auf dem Nacht­tisch. Bücher für die Feiertage. Vielleicht ist noch ?ein neues Lieblingsbuch dabei. Bevor das Jahr geht. Und die Zeit für den Abstand kommt. Den, der manchmal nötig ist.

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