Bücher

„Toll, Tuckern!“ von Erik Heier

"Toll, Tuckern!" von Erik Heier
An der Spitze der aktuellen „Spiegel“-Bestseller-Liste stehen bei den Sachbücher zwei Autoren ganz oben, die beide beruflich viel in Berlin zu tun hatten. Der neue Sarrazin auf Platz eins, der alte Hitler auf zwei. „Wunschdenken“ vor „Mein Kampf“. Letzterer als kommentierte Neuausgabe, ersterer auch mit vielen Kommentaren. Beim „Stern“ fragten sie sich schon bestürzt, was diese Liste wohl über den Zustand unserer Gesellschaft aussagt. Die nächsten Plätze werden von einem Buch über Bäume, Pfarrer-Klartexten und dem Dalai Lama besetzt. Was immer das jetzt heißt. Noch komplizierter mit der Gesellschaft und ihrem Zustand wird es, wenn man die Themenbestellerlisten der Fachzeitschrift „Buchreport“ hinzuzieht. Die  Liste „Gesund & Fit“ von Mitte April hat zum Beispiel quasi keine Kohlenhydrate mehr, „Low Carb“-Bücher gehen gerade weg wie geschnitten Diätbrot, was dann immerhin in der Berufsverkehr-U-Bahn hilft. In der „Wohndesign“-Liste von März heißt ein Buch so, wie ich mir eher den Titel eines Einrichtungsratgeber von Thilo Sarrazin vorstellen würde: „Wer wohnen will, muss fühlen“. Und in der neuen Top 15 „Motor & Motorsport“ sind mehr Bücher über Traktoren (drei) als über Porsche (zwei). Trecker, das neue Statussymbol! Besser als ein Porsche, wenn man von der Parkplatzsituation in Kreuzberg oder Mitte absieht. Trecker-Tuckern beruhigt! Trecker-Tuckern ist sozusagen das  Gegenteil eines Sarrazin-Buches.  Vielleicht steht es um unsere Gesellschaft doch besser, als wir alle fürchten.

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