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Toni Mahoni: „Alles wird gut, und zwar Morgen!“

Mahoni_Toni_sitzend_c_SteffiBlume_2013Folgt man Toni Mahoni, ist die Frage nach dem „guten Leben“, die die Philosophie ja seit Urzeiten umtreibt, eigentlich längst beantwortet: „Du selbst“, sagt er, „hast es in der Hand, wie du dein Leben siehst, ob du zufrieden bist oder ständig mit Stirnfalten durch die Gegend läufst.“ Auch wer vom unbändigen Chaos umwogt werde, habe noch die Möglichkeit, „was draus zu machen“.


Der Musiker und Autor mit der Köpenicker Chuzpe, der einst auf dem Weblog Spreeblick.com seine rotzig-charmanten Thesen über Gott und die Welt ans digitale Tor der Gesellschaft schlug (wofür es 2006 den Grimme-Online-Award gab), veröffentlicht dieser Tage seinen zweiten Roman. „Alles wird gut, und zwar morgen!“ handelt eben davon: vom Chaos, das der Protagonist Toni Mahoni zunächst verursacht und aus dem er sich dann gemeinsam mit seinen Freunden wieder herausmanövriert. Wobei der kreative Umgang mit dem scheinbar Ausweglosen dem Leben insgesamt neue Wege ebnet. Von seiner Freundin (womöglich aufgrund einer zu umfangreichen Bier-Plauze) verlassen, reist Mahoni mit einem Kumpel nach Mallorca und zerstört auf einer Party völlig zugedröhnt eine wertvolle Alabasterstatue. Diese ist leider das Kleinod eines Mafiapaten und muss nun, da Gefahr für Leib und Leben droht, kurzfristig nachgebaut werden.  Zurück in Berlin, begegnet Mahoni dem ukrainischen Steinmetz Vlad, der – von seiner statussüchtigen Exfrau in den Alkoholismus getrieben – eine Kopie besagter Statue herstellen soll und für seine Arbeit nicht mehr als polnischen Wodka und Qualitätshühner aus der Bresse verlangt.

Was zunächst wie Klamauk daherkommt, entfaltet sich vor Berliner Kulisse zum sympathischen Plädoyer fürs Gemeinsame – denn nur durch die Hilfe seiner Freunde gelingt es Mahoni, sich dem Problemgeflecht aus Liebeskummer und Mafia-Verfolgung zu entwinden. Der echte Toni Mahoni behauptet, hier im Wesentlichen aus der eigenen Erfahrung zu schöpfen: „Wenn de dich großzügig und hilfsbereit zeigst, dann kommt dit och zurück, dit hab ick immer so erlebt, zusammen schafft man ’ne Menge, insofern ist die Story eigentlich realistisch.“ So verwundert es nicht, dass das Umfeld von Mahoni (dem Musiker und Autor) vielfach auch den Kosmos seines Alter Egos im Roman bevölkert. Diverse Personen, die mit ihm wiederholt in seiner legendären Bühnenshow „Club Mahoni“ auftraten, wurden zu Protagonisten des Buches.

Die regelmäßigen Bandauftritte in den Kabarett-Kaschemmen der Republik und auch das Bloggen seiner anarchischen Flitzefilme hat der Tom Waits mit Berliner Schnauze inzwischen allerdings hinter sich. Auch wenn Musik natürlich weiter sein Ding bleibt, möchte er sich jetzt vornehmlich aufs Schreiben konzentrieren. Dafür brauche man vor allem Zeit – unerlässlich fürs gute Leben, sagt Mahoni, der vermeiden möchte, dass die Kunst zur reinen (Lohn-)Arbeit und also zum Leben „in seiner übelsten Form“ verkommt. Neben dem Schreiben und der Musik jobbt der inzwischen in Kreuzberg wohnende Familienvater zwei Tage die Woche bei einer Softwarefirma für rechnerbasierte Musikproduktion – damit die Kunst nicht in erwerbliche Abhängigkeit zwingt und im Hamsterrad ihren Zauber verschleißt.

Bei der anstehenden Premiere im Babylon bringt er nun seine Literatur auf die Bühne. Mit dem Vortragen der eigenen Schreibe kennt er sich aus – als Elfjähriger musste der 1976 in Oberschöneweide geborene Toni ein von ihm verfasstes Gedicht zu Margot Honeckers sechzigstem Geburtstag vortragen. „Damals war ick tierisch nervös und stand kurz vorm Blackout“, sagt Mahoni. Am Ende wurde alles gut. Inzwischen ist der langjährige Bühnenveteran freilich gelassener.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: Steffi Blume

Toni Mahoni: „Alles wird gut, und zwar Morgen!“ Galiani-Berlin, 320 Seiten, 14,99 Ђ

Buchpremiere Babylon, Rosa-Luxemburg-Straße 30, Mitte, Fr. 6.6., 20 Uhr

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