Bücher

„Urwaldgäste“ von Roman Ehrlich

Roman Ehrlich

Ein IT-Experte leiht sich Pornos, um die Videotheksangestellte zu treffen. In einer Firma für künstliche Pflanzen sehnt man sich nach echten. Und die Seekuh Tiffany im Aquapark Sealife speit einen Kassettenrekorder mit rätselhaften Aufnahmen aus. Fast wären die tierischen News in Vergessenheit geraten – hätte nicht ein findiger Radiojournalist den Tierpfleger ausfindig gemacht und unter aufmunterndem Nicken und Lächeln ein Interview geführt, dessen zentrale Botschaft ihm hinterher selbst so peinlich ist, dass er sie um­gehend wieder löscht. Einsamkeit in der entfremdeten Welt ist Roman Ehrlichs großes Thema, wie schon im Debüt­roman „Das kalte Jahr“ (2013). Er schreibt zum Schreien komisch darüber. Distanz herstellende Medien wie Telefon­gespräche oder eben Kassetten beeinflussen auch den Konstruktions­charak­ter der zehn Erzählungen selbst, die leider oft etwas zu ambitioniert verwinkelt sind.     

Text: Stefan Hochgesand

Urwaldgäste von Roman Ehrlich, DuMont, ?272 S., 19,99 Ђ

Mehr über Cookies erfahren